Die Tränen sind getrocknet

Vor einem Jahr sorgte ein palästinensisches Flüchtlingskind für Schlagzeilen

  • Von Fabian Lambeck
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

Das Schicksal eines Flüchtlingsmädchens rührte im Juli 2015 die Kanzlerin. Doch die Rührung währte nicht lange: Deutschland setzt nun wieder auf Abschottung.

Es waren Szenen, die das Land bewegten: Als das palästinensische Flüchtlingsmädchen Reem Sahwil am 15. Juli 2015 während einer Fernsehsendung mit Kanzlerin Merkel über ihre Angst vor der drohenden Abschiebung berichtete. Die Physikerin Angela Merkel versuchte es daraufhin mit Logik: Wenn man Tausenden Kindern aus den Flüchtlingslagern Libanons oder Afrikas sagen würde, »ihr könnt alle kommen«, sei das für Deutschland nicht zu bewältigen. »Das können wir nicht schaffen«, so Merkel damals und nahm somit ihren Satz, für den sie später oft kritisiert werden sollte, als Negation vorweg. Reem brach in Tränen aus und die in zwischenmenschlichen Belangen unbeholfen wirkende Kanzlerin ging auf das Mädchen zu und streichelte es.

Im Nachhinein betrachtet, wirkt diese Episode wie der Auftakt zur heißen Phase der Flüchtlingsdebatte, die Deutschland monatelang im Griff hatte. Hunderttausende Syrer, Iraker, Afghanen und Nordafrikaner kamen ins L...


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