Keine Zeit für Radfahrer

Frankreich ist politisch und sozial gespalten - das kann die Tour kaum verschleiern

  • Von Tom Mustroph, Mont Ventoux
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

Die französische Regierung will Arbeitsmarktreformen durchsetzen. Viele protestieren dagegen. Und auch die Befürworter sind unzufrieden, wie der Besuch bei einer Weinbauerin zeigt.

Manchmal merkt man sogar innerhalb der Blase Tour de France, dass es ein Frankreich jenseits der Rundfahrt gibt. Ein gespaltenes, ein von sozialen und politischen Spannungen geprägtes Land, dem dieses Radsportmegaevent nicht die kleinste Erleichterung verschaffen kann.

Simone, Gastgeberin in einem früheren Weingut der Anbauregion Malepere, erzählt, dass in den Zimmern, die jetzt an Touristen vermietet werden, bis vor einigen Jahren noch die Helfer für die Weinlese unterkamen. »Das waren etwa 25 Leute, alle miteinander verwandt, Onkel, Cousins, Brüder. Es waren immer dieselben Leute aus einem Dorf in Spanien, die seit Jahren kamen«, erzählt Simone. Gute Arbeiter waren es, fügt sie noch hinzu.

Dann aber kaufte ihr Schwiegervater eine Maschine. »Das war billiger als Löhne und Sozialabgaben an die Arbeiter zu zahlen«, sagt Simone. Eine rationale Entscheidung. Aber es schwingt Trauer mit in dieser Analyse: Was ist das denn für ein...


Wenn Sie ein Abo haben, loggen Sie sich ein:

Mit einem Digital-, Digital-Mini- oder Kombi-Abo haben Sie, neben den anderen Abo-Vorteilen, Zugriff auf alle Artikel seit 1990.

Bitte aktivieren Sie Cookies, um sich einloggen zu können.