Letzter Ausweg: Untergrund

Vor 75 Jahren verboten die Nazis deutschen Juden die Auswanderung - es folgten Deportation und Massenmord

  • Von Dirk Baas, Berlin
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

Vier dürre Sätze, gerichtet an die NS-Dienststellen, zerstörten vor 75 Jahren die letzte Hoffnung jüdischer Bürger, ihrem Untergang noch zu entgehen. Der zentrale Satz lautete: «Der Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei (Heinrich Himmler) hat angeordnet, dass die Auswanderung von Juden mit sofortiger Wirkung zu verhindern ist.» Die Verfolgten hatten ab dem 23. Oktober 1941 nur noch zwei Alternativen: Deportation in die Vernichtungslager im Osten oder Abtauchen in den Untergrund.

Zu diesem Zeitpunkt hatten Schätzungen zufolge rund 280 000 bis 300 000 Juden Deutschland verlassen, rund 60 Prozent der jüdischen Bevölkerung. Warum reagierten bis zum Herbst 1941 nicht mehr mit Flucht auf die zunehmenden Schikanen, Boykotte, Berufsverbote und Enteignungen? Wer so fragt, hat dem Historiker Wolfgang Benz zufolge «weder die damalige Realität noch die Mentalität und die soziale Situation der verfolgten Juden begriffen».

Sie fürchteten Stat...


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