Im versackenden Friesland

Martin Leidenfrost über den Selbstbehauptungskampf einer kleinen niederländischen Kulturregion

  • Von Martin Leidenfrost
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

Es war in einem buckligen Keller der Uni Edinburgh, dass ich auf die zweite Amtssprache der niederländischen Provinz Friesland aufmerksam wurde: Da schwärmten mir Mitarbeiterinnen des Sprachprojekts »Scots« von der fürstlichen Ausstattung des friesischen Sprachinstituts vor. Nun kurve ich also in Westfriesland herum. Zugbrücklein über Kanälchen, Reetdächer, eine Landesfahne wie aus roten Herzchen. Im historischen Städtchen Dokkum schlafe ich gestreichelt von hellem Glockenspiel ein, und beim Kauf von 40 Milliliter des leichten Kräuterlikörs »Berenberg« warnt der Händler: »Mit Maß genießen!« Die Friesen mussten mal schneidiger gewesen sein, sonst gäbe es im calvinistischen Friesland keine katholische Reliquie - 754, als der Missionar Bonifatius ein letztes Mal zur Bekehrung der Friesen ausritt, murksten Dokkumer Heiden den 80-Jährigen ab. Die Bonifatiuskirche birgt einen Teil seiner Schädeldecke.

Da sich der schottische Separatismu...


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