Beklemmend, bestürzend: Luthers »Von den Juden«

Zur erneuten Lektüre von Luthers judenfeindlicher Schrift - 500 Jahre nach ihrer Ersterscheinung

  • Matthias Morgenstern
  • Lesedauer: ca. 6.5 Min.

Der judenfeindliche Maßnahmenkatalog am Ende von Luthers Schrift »Von den Juden und ihren Lügen« ist eindeutig: Der Reformator schlug seinen Lesern vor, die Synagogen zu verbrennen, die jüdischen Häuser zu zerstören, den Juden ihre Gebet- und Lernbücher wegzunehmen, den Rabbinern das Lehren zu verbieten, die Freizügigkeit für Juden aufzuheben, ihnen den Geldhandel zu verbieten und sie stattdessen zur Zwangsarbeit zu verpflichten. Schließlich sollten sie noch aus dem Land gejagt werden. Welche Gründe kann es geben, einen solchen widerlichen Aufruf zur Gewalt knapp 500 Jahre nach seiner Entstehung neu herauszugeben und zu lesen? Die Aussage des Textes ist deutlich. Keine historische Kontextualisierung, keine vergleichende Interpretation vermag etwas daran zu ändern. Das moralische Urteil über diese Hasspredigt sollte ebenso klar und eindeutig sein.

Unterschiedliche Gründe können dennoch eine erneute Beschäftigung mit der berüchtigts...


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