Bevor die Sonne aufgeht

Seit sich die Ganztagsschule in Deutschland etabliert, wird von konservativer Seite vor einer »Verplanung der Kindheit« gewarnt. Die Ökonomisierung des Unterrichts hat jedoch wenig mit dem Ganztagsunterricht zu tun. Von Thomas Gesterkamp

  • Thomas Gesterkamp
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.

Vor drei Jahren beschrieb die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) die Schulsituation im nordbadischen Walldorf. In der Kleinstadt bei Heidelberg hat die Softwarefirma SAP ihren Sitz. Hier wohnen viele junge Familien, in denen beide Elternteile beim größten Arbeitgeber des Ortes beschäftigt sind. Oft sind sie zugezogen, die Großeltern leben weit entfernt - sie brauchen eine zuverlässige Kinderbetreuung den ganzen Tag über. Dank hoher Steuereinnahmen konnte die Kommune auf diese Wünsche reagieren. Mit großem finanziellen Aufwand richtete sie sogenannte gebundene Ganztagsschulen ein. Im Gegensatz zum »offenen« Ganztag, dessen Nachmittagsangebote frei buchbar sind und oft nur euphemistisch als »Bildung« bezeichnet werden, herrscht hier für die Kinder Schulpflicht bis halb vier. Und auch danach, bis halb sechs, können erwerbstätige Mütter und Väter weitere Betreuung durch städtisches Personal buchen.

Solche Dienstleistungen si...


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