Tatort Uhrmacherhäusl

Ein Münchner Kriminalstück um Gentrifizierung, skrupellose Investoren und wütende Anwohner

  • Von Maik Rosner, München
  • Lesedauer: ca. 6.0 Min.

Der Anblick verschlägt Ilse Mayer beinahe die Sprache. Immer wieder schaut sie kopfschüttelnd auf den Schutthaufen, der von dem denkmalgeschützten Haus geblieben ist. Hinter einem Gitter türmen sich die Überreste des sogenannten Giesinger Uhrmacherhäusls, das hier seit 1840 bis zum 1. September stand. In den Zaun mit dem rot-weißen Absperrband sind Sonnenblumen gesteckt, auf einer handgeschriebenen Todesanzeige steht: »Obere Grasstr. 1 - Durch gewissenlose Grundstücksspekulanten zu Tode gekommenes unwiederbringlich zerstörtes Stück Obergiesinger Heimat. Die trauernden Nachbarn.« Ilse Mayer, 74, die früher gleich ums Eck wohnte und nun mit dem Fahrrad vorbeigekommen ist, um sich selbst ein Bild von der Zerstörung zu machen, sagt: »Das tut richtig weh.« Ihr Mann Heinrich, 79, ergänzt: »Das ist schon kriminell.«

Fassungslos wie die Mayers reagieren die meisten, und allein die Vielzahl der Menschen, die sich in der abseits gelegenen k...


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