Plastikmüll erreicht letzte Wildnis

Greenpeace-Expedition brachte Proben aus der Antarktis mit, die größtenteils Spuren von Verschmutzung zeigen

  • Barbara Barkhausen, Sydney
  • Lesedauer: 3 Min.

Eine Expedition in die Antarktis kehrte mit der schockierenden Erkenntnis zurück, dass selbst die vermeintlich letzte Wildnis der Erde mit Mikroplastik und Chemikalien verseucht ist. Die von Greenpeace geleitete Expedition brachte Wasser- und Schneeproben mit, die zu großen Teilen Spuren von Verschmutzung zeigten.

»Es war nicht das, was wir finden wollten«, sagt Louisa Casson, die an der Expedition für Greenpeace teilgenommen hat. Als die Umweltorganisation Anfang des Jahres in die Antarktis fuhr, hätten sie alle nach der »unglaublichen Tierwelt«, nach »wankenden Pinguinen« und »majestätischen Walen« gesucht. »Aber selbst in diesen unglaublich abgelegenen Gewässern konnten wir der Geißel unserer Meere nicht entkommen, die überall Schlagzeilen macht: Dem Plastikmüll.« Die Proben wurden während einer dreimonatigen Greenpeace-Expedition in die Antarktis von Januar bis März 2018 gesammelt. Greenpeace unternahm dabei wissenschaftliche Forschungen sowie U-Boot-Tauchgänge, die die Tierwelt in der Tiefe des Meeres untersuchten.

Die Greenpeace-Expedition fand dabei in sieben von acht getesteten Wasserproben Mikroplastik. Sieben der neun untersuchten Schneeproben enthielten nachweisbare Konzentrationen an Chemikalien. Laut Greenpeace werden die entdeckten Chemikalien häufig in industriellen Prozessen und Verbraucherprodukten verwendet. Die gesammelten Schneeproben enthielten frisch gefallenen Schnee, was darauf hindeutet, dass die gefährlichen Chemikalien aus der Atmosphäre abgelagert wurden.

Ein aktueller UNO-Bericht kam ebenfalls zum Schluss, dass die Welt vor einer Plastikmüllkrise steht. Neun Milliarden Tonnen Plastik seien bisher weltweit produziert worden und nur ein geringer Prozentsatz werde wiederverwertet. Das meiste sei Einwegplastik, die sofort im Müll lande.

In der Antarktis stach den Umweltschützern aber auch noch die Menge an Abfall aus der Fischerei ins Auge. »Bojen, Netze und Planen drängten sich zwischen Eisberge, was sehr traurig war«, sagt Frida Bengtsson, die ebenfalls an der Antarktis-Kampagne von Greenpeace beteiligt ist. Ihr Team habe alles aus dem Wasser gefischt, was sie gesehen hätten. Aber das habe ihnen klar gemacht, dass man große Teile dieses Gebiets für menschliche Aktivitäten sperren müsse, um die Tierwelt und die Antarktis an sich zu schützen.

»Wir können die Antarktis als eine abgelegene und unberührte Wildnis betrachten«, sagt Bengtsson. »Aber von Umweltverschmutzung und Klimawandel bis zum industriellen Krillfischen ist der Fußabdruck der Menschheit eindeutig.« Deswegen fordere Greenpeace Maßnahmen an der Quelle, die verhindern, dass Schadstoffe überhaupt in der Antarktis landen, sowie ein weiteres antarktisches Meeresschutzgebiet, um Pinguine, Wale und das gesamte Ökosystem zu schützen.

Die Expedition ist Teil der Greenpeace-Kampagne, die sich für die Schaffung eines weiteren antarktischen Meeresschutzgebietes im Südpolarmeer einsetzt. Mit 1,8 Millionen Quadratkilometern wäre die neue Zone fünfmal so groß wie Deutschland und das größte Schutzgebiet der Erde. Das Schutzgebiet wird von der Europäischen Union vorgeschlagen und auf der bevorstehenden Sitzung der Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis im Oktober 2018 verhandelt.

2016 waren bereits rund 1,55 Millionen Quadratkilometer, eine Fläche etwa viermal so groß wie Deutschland, im Südpolarmeer zur Meeresschutzzone erklärt worden. Die bisherige Schutzzone wurde zunächst auf 35 Jahre eingerichtet.

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