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Vor Dönerimbiss auf Menschen geschossen

Ein Opfer lebensgefährlich mit Schrotflinte verletzt / Täter auf der Flucht / Hintergründe unklar

  • Von Julian Seeberger
  • Lesedauer: 2 Min.

»Na ja, die drehen wahrscheinlich einen Film«, mutmaßt ein älterer Herr Mittwochmittag auf dem Parkplatz eines Lebensmitteldiscounters im beschaulichen Glasow, einem südlich von Berlin gelegenen Ortsteil von Blankenfelde-Mahlow (Teltow-Fläming). In Sichtweite stehen zahlreiche Transporter von Polizei und Kripo. Absperrband weist weite Teile des Parkplatzes der Ladenzeile als Tatort aus. Kriminalbeamte bringen Hightech-Geräte zum Einsatz und erörtern mögliche Details des Tathergangs. Der ältere Herr irrt sich. Hier wird kein Film gedreht.

Am Dienstagabend wurde ein Mann vor einem Dönerimbiss des Einkaufszentrums lebensgefährlich verletzt. »Hier ist gegen 19.45 Uhr ein weißer Pkw vorgefahren, besetzt mit einem Mann. Aus diesem Pkw heraus sind Gäste des Dönerimbiss beschossen worden«, erklärte vor Ort noch in der Nacht ein Polizeisprecher. Ein Mann wurde demnach von einem Schuss aus einer Schrotflinte getroffen und musste mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden.

Bei Tageslicht sind am Mittwoch deutlich die Einschüsse zu erkennen, die auch die Werbefläche mit den Angeboten das Ladens getroffen haben. Auf den Boden vor dem Tisch, der in der Schussbahn steht, ist Blut getropft. Noch immer stehen die Getränkedosen der Opfer dort. Die Hintergründe der Tat sind nach wie vor unklar, die Ermittlungen der Polizei dauern noch an. Der Täter ist flüchtig.

Anwohner und Angestellte angrenzender Läden schweigen gegenüber der Presse eisern. Der Bruder des Imbissbetreibers zeigt sich jedoch erschüttert: »Ich war im Laden, als das passiert ist, habe gearbeitet. Der Knall war krass. Natürlich habe ich das gehört. Da erschrickt man sofort«, schildert er dem »nd«. Laut Medienberichten soll es am Dienstagabend vor dem Dönerladen einen Streit gegeben haben, in den der Täter verwickelt war. Der Täter habe sich entfernt, sei kurz darauf wiedergekehrt und habe aus einem Auto heraus geschossen.

In Blankenfelde-Mahlow war 1996 der schwarze britische Bauarbeiter Noel Martin von rechten Jugendlichen derart misshandelt worden, dass er schwerstbehindert und für den Rest seines Lebens auf Hilfe angewiesen ist. 2011 wurde die Neonazi-Kameradschaft »Freie Kräfte Teltow-Fläming« verboten.

Am Mittwoch beobachtet ein Mann aus einigem Abstand die Untersuchungen der Polizei. Er sitzt auf einem Roller, das dunkle Visier seines Helms verdeckt sein Gesicht. Auf Fragen reagiert er gereizt. »Mehr sag' ich nicht«, raunt er, streift einen Lederhandschuh ab und präsentiert vielsagend den Totenkopfring auf seiner Faust.

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