Die tägliche Qual der Enge

In Hamburg wird die erste große Retrospektive des Fotografen Michael Wolf gezeigt

  • Von Guido Speckmann
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

Die Enge der globalen Megastädte - besser als im Werk des deutsch-amerikanischen Fotografen Michael Wolf kann sie nicht veranschaulicht werden. Am eindrücklichsten geschieht das in seiner Serie »Tokyo Compression«. Die Fotografien zeigen an die Scheiben von U-Bahnen gepresste Gesichter von Pendlern in Tokio. In der Rushhour ist es in den Wagen so eng, dass Kondenswasser die Scheiben hinabläuft. Der Gesichtsausdruck der eingezwängten Menschen ist resigniert, erschöpft, manche haben die Augen geschlossen, als ob sich so die tägliche Höllenfahrt leichter ertragen ließe. Mitunter hat es den Anschein, als schlössen sie die Augen, weil sie sich schämen, ihr Leid dem Fotografen oder Betrachter zu offenbaren. Michael Wolf hat diese Fotos auf einem Abschnitt eines Tokioer Bahnsteigs gemacht, der nicht von Überwachungskameras erfasst wurde. Inzwischen ist dieser geschlossen. So legt die Serie auch Zeugnis davon ab, wie in Metropolen das Fotograf...


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