Die anderen in Berlin

SONNTAGmorgen

  • Von Mesut Bayraktar
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.

Vorab: Ich bin kein Berliner. Deswegen habe ich was über Berlin zu sagen. Denn bekanntlich schaut man mit seinen zwei Augen auf die Welt. Was dabei abgeht, ist, dass man sich selbst nicht sieht, und gerade deshalb kommt es nicht selten vor, dass der Blick in die Welt mangelhaft ist. Man selbst fehlt. Die Philosophie spricht vom Erfordernis der Reflexion der Reflexion, in unserem Zusammenhang: vom Sehen des Sehens. Dafür braucht auch der Berliner einen Spiegel oder, was nützlicher ist, den Blick der anderen.

Meine Großtante, die ich in Kreuzberg besucht habe, ist über 80 Jahre alt. 18 Jahre hat sie, neben Mutter, Großmutter und Ehefrau zu sein, bei Siemens im Kabelwerk gearbeitet, das 1998 an Pirelli verkauft und 2001 stillgelegt wurde. Seither heißt die ehemalige Siemens-Produktionsstätte »Gewerbepark Gartenfeld«. Sie ist stolz darauf, 18 Jahre dort verbracht zu haben, zuweilen in Akkordarbeit, »wodurch ich viel Geld verdienen kon...


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