Die hässliche Wahrheit

Das Museum Gunzenhauser zeigt Bilder, die den Weg der Weimarer Republik dokumentieren

  • Gunnar Decker
  • Lesedauer: ca. 4.0 Min.

Wenn man die Erregungen lange genug auf die Spitze getrieben hat, wächst das Bedürfnis nach Sachlichkeit. Ebenso folgt der Erhitzung die Kälte, dem Rausch die Ausnüchterung, der Propaganda die Information, der Aktion die distanzierte Beobachtung. So suchen die Deutschen nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg einen neuen Ton für den schweren Alltag. Einer ohne Pathos, so sachlich wie möglich.

Das ist die Stimmungslage auch unter den Künstlern. Der gesteigerte Ausdruckswille, der sich in den grellen Tönen des Expressionismus widerspiegelte, passt nicht mehr in die Zeit. Man wendet sich einer Realität zu, die vor allem eins ist: auf graue Weise unansehnlich. Man hat zwar alle Illusionen verloren, aber auch an Mut gewonnen, die Dinge so anzuschauen, wie sie sind. Nicht wenige der Werke, die in diesen Jahren entstanden, vermögen auch nach fast einem Jahrhundert noch zu schockieren. In ihrem Verismus offenbart sich die hässliche Wahrheit.

Diese...


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