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Kapazitätsausbau verspätet sich

T2 sollte dem BER weniger Sorgen bereiten - Experten rechnen mit Eröffnung nicht vor 2022

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 3 Min.

Wächst dem geplagten BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup in Gestalt des Terminal-Neubaus T2 ein neues Sorgenkind heran? Experten aus dem Rhein-Main-Gebiet mit Erfahrungen im Flughafenbau etwa am Frankfurter Airport, sind sich da recht sicher. In einem an das »neue deutschland« gerichteten Schreiben äußern sie erhebliche Zweifel daran, dass der von der Flughafengesellschaft wiederholt kommunizierte Termin der Fertigstellung des Terminals auch nur annähernd zu erreichen sei.

Bisher ist von einer Eröffnung parallel zur Inbetriebnahme des BER im Oktober 2020 die Rede. Der im Oktober 2018 begonnene Bau mit 23.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche, in dem künftig sechs Millionen Flugreisende pro Jahr abgefertigt werden sollen, kann aus ihrer Sicht vermutlich erst im Oktober 2022 in Betrieb gehen.

Der BER-Chef hatte Ende Mai vor Journalisten den Baufortschritt am künftigen Hauptstadtflughafen gelobt: »Die Baustelle liegt insgesamt im Zeitplan.« Lütke Daldrup hatte dabei den Neubau des Terminals T2 einbezogen. Noch 2019 werde man dort voraussichtlich mit dem Einbau der Gepäckförderungsanlage beginnen können. Allerdings war damals aufgefallen, dass er selbst Zweifel an der punktgenauen Inbetriebnahme des Terminals T2 aufkommen ließ, indem er darauf verwies, dass der BER zu Beginn auch ohne den Erweiterungsbau genügend Kapazitäten habe, um Tegel, den wichtigsten Berliner Flughafen, abzulösen.

Bei Fertigstellung des T2, das derzeit vor dem Pier Nord, einem Seitenflügel des Hauptterminals, entsteht, wird sich die Gesamtkapazität des BER auf 28 Millionen Flugreisende pro Jahr erhöhen. Addiert man dazu Schönefeld (Alt), können am Standort 40 Millionen Passagiere abgefertigt werden.

Mit Blick auf die Resultate der bislang zehnmonatigen Bauzeit schreiben die Experten: »Der Baufortschritt ist überraschend gering. Für die Fertigstellung des Rohbaus werden noch rund fünf Monate benötigt.« Für die Montage der Dach- und Fassadenelemente kalkulieren sie weitere fünf Monate. »Erst dann könnte mit dem Innenausbau begonnen werden«, heißt es. Für den Innenausbau des T2 setzen die Verfasser fast anderthalb Jahre an. Ihre Begründung lautet: »Erfahrungsgemäß lässt sich auf einer solchen Baustelle ein Personaleinsatz von maximal einer Million Euro pro Monat kalkulieren (etwa 125 bis 150 Mitarbeiter).« Da für den Innenausbau etwa 30 Prozent der gesamten Bauleistungen (also 70 Millionen Euro) zu veranschlagen seien, ließe sich demnach mit 15 bis 17 Monaten kalkulieren. Hinzu kommen die flughafenspezifischen Einbauten von rund 40 Millionen Euro. Danach seien Tests für den Probebetrieb der Anlagen und der Inbetriebnahme vorzusehen. Nach Tests und Fehlerbehebung rechnen die Fachleute mit der Baufreigabe im Juli 2022, dem Probebetrieb im September und der Inbetriebnahme im Oktober 2022.

Mit dem Neubau des T2 hatte die Flughafengesellschaft nach Bekunden ihres Geschäftsführers die Lehren »aus den Erfahrungen und Schwierigkeiten mit dem äußerst komplexen Fluggasterminal T1« gezogen. Man hatte sich für strikte Funktionalität und »schlichte Industriearchitektur« ohne Keller entschieden und den Bauauftrag an die im Flughafenbau erfahrene Zechbau GmbH vergeben.

Im Frühjahr 2019 hatte die Flughafengesellschaft jedoch eine Verdoppelung der Kosten für das Terminal T2 bekannt gegeben, in das nach der Fertigstellung der Billigflieger Easyjet einziehen soll. Als Gründe dafür ins Feld geführt wurde neben fehlenden Vorgaben für den Innenausbau und erheblichen Umplanungen eine Erweiterung der Bruttogeschossfläche von 15 000 auf 23 000 Quadratmeter. Das lasse aus Sicht der Experten zudem Zweifel an den Planungsgrundlagen aufkommen.

Die Flughafengesellschaft teilt die Zweifel unterdessen nicht. Dem »nd« teilte Flughafensprecher Hannes Stefan Hönemann auf Nachfrage mit: »Die Flughafengesellschaft ist aktuell mit dem Stand der Baufertigstellung und dem Baufortschritt am T2 insgesamt zufrieden. Auf dieser Grundlage rechnen wir mit einer Inbetriebnahme im Oktober 2020.« Dass zur Zeit die Fertigteilmontage und die Dacharbeiten an den Hallen laufen, deckt sich mit dem Eindruck, den man vor Ort gewinnen kann. »In Kürze beginnen auch die Arbeiten an der Fassadenkonstruktion«, so Hönemann.

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