Warten auf die Straßenbahn

Vertragsabschluss mit Škoda über Tram-Lieferung an drei Städte steht bevor

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 4 Min.

In diesen Tagen scheint der Krimi um die gemeinsame Beschaffung neuer Straßenbahnzüge für die städtischen Verkehrsgesellschaften von Cottbus, Brandenburg/Havel und Frankfurt (Oder) zu einem guten Ende zu kommen. Nach ausgiebigen Verhandlungen sind die Verträge mit dem tschechischen Hersteller Škoda nun offenbar unterschriftsreif. Der Abschluss des 2018 gestarteten europaweiten Vergabeverfahrens hatte sich wegen des Einspruchs eines der beiden unterlegenen Mittbewerber über Monate verzögert. Erst mit dem Urteil des Oberlandesgerichts Brandenburg vom Juni 2020 ist der Zuschlag für das Unternehmen aus Plzeň rechtmäßig.

»Nach Abschluss des Vergabefahrens muss man alles in Verträge gießen, und das findet in dieser Woche statt«, sagte Robert Fischer, Pressesprecher der Cottbusverkehr GmbH, zu »nd« am Dienstag. »Mit dem Bieter, der aus dem Vergabeverfahren hervorgegangen ist, ist man dabei, das zu finalisieren, so dass es dann so richtig losgehen kann.« Man rechne damit, dass die ersten neuen Bahnen - das Modell könne er noch nicht nennen - Ende 2023, Anfang 2024 geliefert werden. Das hänge auch davon ab, ob Škoda unter Pandemiebedingungen mit voller Kraft produzieren könne. Ursprünglich hatten die ersten Bahnen bereits im Jahr 2020 geliefert werden sollen.

Im Februar 2018 hatten die Verkehrsbetriebe Brandenburg (VBBr) und die Stadtverkehrsgesellschaft mbH Frankfurt (Oder) (SVF) gemeinsam mit der Cottbusverkehr GmbH die gemeinsame Anschaffung neuer Straßenbahnen angekündigt. Das war ein bundesweit bis dahin einmaliger Vorgang. Insgesamt ging es um den Kauf von 45 modernen Niederflur-Gelenkstraßenbahnen. Wobei sich die Kommunen von der Paketbestellung günstigere Anschaffungs- und Folgekosten versprechen. Hauptbeweggrund war, dass die zum großen Teil aus den 80er Jahren stammenden und meist nur eingeschränkt oder gar nicht barrierefreien Tatra-Straßenbahnen aller drei Verkehrsbetriebe dringend ersetzt werden müssen. Ein einheitlicher Straßenbahntyp sollte, wie »nd« damals berichtete, »zu Synergien bei Wartung und Ersatzteillagerung sowie geringeren Betriebskosten führen«. Die Gesamtkosten wurden seinerzeit auf rund 120 Millionen Euro beziffert, von denen das Land die Hälfte übernehmen wolle.

Vom ersten Baulos von 24 Fahrzeugen soll Cottbus sieben, Brandenburg/Havel vier und Frankfurt (Oder) 13 erhalten. Für weitere 21 Triebwagen bestehen Optionen, die abgerufen werden können, wenn die Finanzierung gesichert ist. Diese Optionen umfassen acht Fahrzeuge für Brandenburg und 13 für Cottbus. Den Weg für die Beschaffung der neuen Bahnen für die drei Städte hat das Land durch die Verlängerung der Förderungszusage von 2022 bis 2030 freigemacht.

Am 10. Februar hat Cottbusverkehr seine Bilanz für das Corona-Jahr 2020 vorgelegt. Daraus ist zu entnehmen, dass die Pandemie deutliche Spuren im Betriebsergebnis hinterlassen hat. Etwas weniger als zehn Millionen Passagiere wurden mit Bus und Bahn befördert, 11,4 Millionen Fahrgäste waren es 2019. Gemeinsam mit der Stadt Cottbus und dem Landkreis Spree-Neiße habe man 2,4 Millionen Euro aus dem ÖPNV-Rettungsschirm zum Schadensausgleich abgerufen, heißt es. Dennoch plant das Verkehrsunternehmen im Jahr 2021 eine Vielzahl von Projekten zur Gestaltung des zukünftigen Öffentlichen Personennahverkehrs in der Region. Vor dem anstehenden Strukturwandel in der Lausitz werde auch der Netzausbau untersucht.

Bei der Tram hat die baldige Fuhrparkerneuerung Priorität. Neben den sieben fest eingeplanten neuen Bahnen werden auch die 13 Optionsfahrzeuge benötigt. Sie versprechen zeitgemäßen Komfort - 70 Prozent Niederfluranteil, Klimaanlage und Platz für Rollstühle, Kinderwagen und Fahrräder. Mit einer Nutzungsdauer von 2,5 Millionen Kilometern und einem System zur Rückspeisung von Bremsenergie ins Netz sind sie wirtschaftlich und umweltfreundlich. Geschäftsführer Ralf Thalmann erläuterte: »Aufgrund des hohen Alters der aktuell durchschnittlich 35 Jahre alten Tatra-Bahnen, ist das Sichern der 13 weiteren Bahnen zwingend notwendig.« Bei der Finanzierung fordere er eine umfassende Unterstützung des Landes.

Die Frankfurter Stadtverkehrsgesellschaft erwartet mit 13 neuen Niederflurbahnen den größten Anteil aus dem ersten Baulos. Die Anschaffungskosten in Höhe von knapp 32 Millionen Euro werden größtenteils kreditfinanziert, hieß es.

Rund acht Millionen Fahrgäste transportiert die VBBr im Jahr. Für die vier Tram-Linien stehen derzeit 18 Triebwagen bereit, die 2020 nochmals modernisiert wurden. Denn wenn die neuen Bahnen in der Havelstadt wie erwartet ab 2024/2025 die alten Tatras ablösen, sind diese 40 Jahre alt.

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