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Meilenstein Manchester

Gegen City am Scheideweg: Borussia Mönchengladbach

Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Das hat Mark Twain mal gesagt. Es ging dabei nicht um Fußball, beschreibt aber ganz gut, was sich gerade bei Borussia Mönchengladbach abspielt. Dort geht eine Ära zu Ende. Eine, die doch erst begonnen hat und die die Gladbacher gern noch ein Weilchen fortgesetzt hätten. So wie gut vor fünf Jahren, als sich die Macht vom Niederrhein gerade wieder als eine solche formierte: als eine Mannschaft, die auch über Deutschland hinaus eine Rolle spielen will, im Zirkus der europäischen Großmächte, angeleitet von einem Trainer, der dem Spiel eine ganz besondere Note verleiht.

Heute heißt dieser Trainer Marco Rose, damals Lucien Favre. Beiden gemein ist, dass das Ende ihrer Gladbacher Ära mit einem Champions-League-Spiel gegen Manchester City zusammenfällt. So war es im Herbst 2015, als die Borussia in der Vorrunde zart am Eingang des großen Zirkuszelts zurrte. Und so ist es an diesem Mittwoch, wenn es im Hinspiel des Achtelfinals schon um ein bisschen mehr geht. Wie in den Siebzigern, als es zum Sieg im Uefa-Cup und zur Finalteilnahme im Landesmeisterpokal reichte, fühlt sich die Borussia wieder dem Kreis der Großen zugehörig. Und doch auch wieder verstoßen, weil ihr der Architekt des Erfolgs abspenstig wird.

Marco Rose wird auch in der kommenden Saison eine Borussia anleiten, aber nicht mehr die aus Mönchengladbach. In Dortmund ist vielleicht etwas mehr Geld zu verdienen und mittelfristig wohl auch sportlich mehr zu erreichen. Borussia ist eben nicht gleich Borussia. In der vergangenen Woche hat er seinen Abgang nach Dortmund verkündet - und es trägt schon eine bemerkenswerte Note, dass er dort die Arbeit fortführen wird, die der dort im Dezember entlassene Lucien Favre einmal begonnen hat. Eben jener Favre, den sie in Mönchengladbach immer noch schätzen, trotz seines schrägen Abschieds im Herbst 2015. Damals, als die Borussia ihre große europäische Tradition aus den Siebzigern wiederbeleben wollte.

Die Geschichte fand ein unschönes Ende. Der eigenwillige Favre hatte Gladbach erst vor dem fast schon sicheren Abschied gerettet und nach vier Jahren Aufbauarbeit in die Champions League geführt. Damit war der Höhepunkt überschritten. Favre verzweifelte an den Mühen der neuen Ebene, am Verlust von Stars wie Reus, Dante, Ter Stegen, am selbst gegebenen Anspruch, immer weiter zu marschieren. Ein 0:3 in der Champions League beim FC Sevilla nahm er noch hin, ein 0:1 drei Tage später im rheinischen Derby gegen den 1. FC Köln schon nicht mehr. Es war die fünfte Niederlage im fünften Bundesligaspiel in Folge. Favre verkündete danach eigenmächtig seinen Rückzug - gegen den ausdrücklichen Willen der Klubführung, die unbedingt mit ihm weiterarbeiten wollte.

So ist es auch diesmal, nur dass Marco Rose völlig regelkonform handelt, eine Ausstiegsklausel in seinem Arbeitsvertrag in Anspruch nimmt und bis zum Ende der Saison bleiben will. Sein erstes Spiel nach dem angekündigten Rückzug endete am vergangenen Sonnabend mit einem 1:2 daheim gegen Abstiegskandidat Mainz, die Premiere der Ära nach Favre mit einem 4:2-Sieg beim FC Augsburg. Im Anschluss folgte die Partie im Borussia-Park gegen Manchester City. So ist es auch diesmal. 2015 verschossen die Gladbacher in Gestalt von Favres einstigem Lieblingsspieler Rafael schnell einen Elfmeter, gingen dann durch den heutigen Kapitän Lars Stindl 1:0 in Führung und verloren am Ende 1:2. Als Gruppenletzter schied Gladbach später nach der Vorrunde aus. In der Bundesliga aber startete die Mannschaft unter dem neuen Trainer André Schubert durch und qualifizierte sich erneut für die Champions League.

Gegen eine Wiederholung dieser Geschichte hätten sie in Mönchengladbach wohl keine Einwände.

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