Sommer, Sonne, Stechmücken

Das warme Wetter ist günstig für die Brut der kleinen Plagegeister

  • Ulrike von Leszczynski
  • Lesedauer: 3 Min.

Surren, Jucken, Kratzen: Mücken scheinen in diesem Frühsommer besonders aktiv und aggressiv zu sein. Stimmt das? Doreen Werner, Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) im brandenburgischen Müncheberg, kann da beruhigen. »Wir haben keine Mückenplage«, versichert sie. Das Gefühl, im Freien von besonders vielen Plagegeistern umschwärmt zu werden, liege eher an der Erinnerung an die beiden trockenen und warmen Vorjahre. Die waren für die Vermehrung der Blutsauger ungünstiger. Die Regenwochen in diesem April und Mai haben die Insekten dagegen beflügelt.

»Im Grunde haben wir jetzt wieder ein ganz normales Mückenjahr«, erläutert Werner. Die Wissenschaftlerin hat sich auf die Erforschung der rund 50 bekannten Stechmückenarten in Deutschland spezialisiert. Dieses Jahr sei es durch niederschlagsreiche Monate sowohl der Hausmücke als auch der Wald- und Wiesenmücke gut ergangen, berichtet sie. Die Brut gedieh in Regentonnen, Pfützen und Gewässern. Für die Hausmücke sei die plötzliche und anhaltende Wärme nun besonders günstig bei der Vermehrung: Von der Eiablage der blutsaugenden Weibchen bis zum Schlupf vergeht oft nur eine Woche. Im Moment surre die zweite Generation. Wald- und Wiesenmücken lebten dagegen oft nur bis maximal Anfang August.

Werner und ihr Team haben für ihre Forschung vor rund zehn Jahren den »Mückenatlas« ins Leben gerufen. Interessierte können gut erhaltene erlegte Exemplare einschicken und bestimmen lassen. Am Forschungszentrum in Müncheberg entstehen daraus Karten, welche Arten in welchen Regionen Deutschlands verbreitet sind. Bisher gab es rund 58 000 Einsendungen. Mit dem Klimawandel kommt dabei ein neuer Punkt in den Blick: Werden tropische Arten wie die Asiatische Tigermücke eingeschleppt? Inwieweit gibt es Erreger wie das West-Nil-Virus aus heißeren Regionen der Erde schon in Hausmücken in Deutschland?

Das Robert Koch-Institut (RKI) geht davon aus, dass es auch in diesem Sommer zur Zirkulation des West-Nil-Virus zwischen Stechmücken und Vögeln kommen wird. In geringerem Maße sei auch mit durch Mücken übertragene Infektionen bei Menschen und Pferden zu rechnen, vor allem im Juli und August, heißt es im jüngsten Epidemiologischen Bulletin. Bisher gab es bei Menschen 2019 und 2020 nur wenige registrierte Fälle. Die Betroffenen lebten in Berlin, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Das RKI hält eine Ausweitung der betroffenen Regionen für möglich. Denn das Virus kann in Stechmücken überwintern. »Temperaturen über 20 Grad sind für die Vermehrung dieser Viren genial«, ergänzt Werner. Einige Patienten leiden dann an grippeähnlichen Symptomen. Schwere Verläufe sind selten, können aber tödlich enden.

Die Pandemie mit ihren Reisebeschränkungen habe dazu geführt, dass »gefühlt« weniger Mückenarten aus dem Ausland eingeschleppt wurden, sagt die Forscherin. Die Asiatische Tigermücke, für die es bereits auch Nachweise in Deutschland gibt, habe sich nach den Einsendungen für den Mückenatlas bisher wohl nicht weiter ausgebreitet. Bisher sind Fundorte unter anderem in München, Frankfurt (Main) und Jena bekannt. Tigermücken umkreisen ihre Opfer in Schwärmen und greifen auch beim Verscheuchen schon nach wenigen Sekunden wieder an. Sie können tropische Erreger wie Zika-, Chikungunya- und Dengue-Virus übertragen. Für Deutschland gilt das bisher aber noch als wenig wahrscheinlich, weil sich die Viren - abgesehen von Chikungunya - nur bei hohen Temperaturen gut in den Mücken vermehren können. dpa

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