Älter, ärmer, glücklicher

Studie zur Lebenssituation der Senioren in Brandenburg vorgestellt

  • Wilfried Neiße, Potsdam
  • Lesedauer: 3 Min.

Ältere Menschen machen in Brandenburg die einzig wachsende Bevölkerungsgruppe aus und sind gleichzeitig der mit Abstand zufriedenste Teil der Einwohnerschaft. Dies ist ein Ergebnis der Studie zur »Lebenssituation Älterer«, die am Montag von Sozialministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) vorgestellt wurde.

Ein Trend, der schon in früheren Studien ermittelt wurde, hat sich deutlich verstärkt: Ältere Menschen sind eine sozial vollkommen uneinheitliche Gruppe. Es gibt Senioren, die über hohe, bedeutende oder auch ausreichende Einkünfte verfügen, und es gibt eine wachsende Gruppe, die »armutsgefährdet« ist, wie Christina Rauh erklärte, die diese Studie betreute. Das betreffe weniger die »Bestandsrentner«, also diejenigen, die schon jahre- oder jahrzehntelang Rente beziehen. Anders die jüngeren. Rund die Hälfte der neu in den Ruhestand tretenden Menschen hat weniger als 1000 Euro im Monat zur Verfügung. Die Armutsgrenze wird derzeit bei 1200 Euro angesetzt. Die Studie hat ermittelt, dass rund die Hälfte der Menschen, die eigentlich berechtigt wären, finanzielle Aufstockungen hin zur Höhe der Grundsicherung zu erhalten, dies nicht beantragen. Als Gründe dafür nannte Rau geringe Zusatzerwartungen, Unkenntnis oder Scheu vor der Bürokratie.

1990 war Ostdeutschland der mit Abstand jüngste Teil Deutschlands und das hat sich schon wenige Jahre nach der Wende komplett geändert. Der Anteil der Senioren an der Bevölkerung wird laut Nonnemacher in den kommenden zehn Jahren von 25 auf rund 30 Prozent zunehmen. Dann werden mit 760 000 Senioren etwa 130 000 mehr in Brandenburg leben als heute. Davon ist auch der Berliner Speckgürtel nicht ausgenommen. Das Durchschnittsalter in Brandenburg wird dann 48 Jahre betragen.

Auf der anderen Seite sind ältere Menschen so gesund, fit und zufrieden »wie selten zuvor«, setzte Nonnemacher hinzu. Sie sprach von dem Ziel, »Modellland« für eine stark alternde Gesellschaft zu werden und verwies auf den »Pakt für Pflege«, den die Landesregierung abgeschlossen habe. Zweifellos seien Isoliertheit und Einsamkeit ein Problem, »das uns sehr beschäftigt«, doch die Tatsache, dass Ältere der zufriedenste Teil der Einwohnerschaft sind, rühre auch aus vielfach guten Kontakten zu den Nachbarn. Christina Rauh zufolge sind über 80 Prozent der Älteren mit ihrer Wohnsituation und auch mit der Möglichkeit, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, zufrieden bis sehr zufrieden.

Von einer Lösung weit entfernt ist das Problem des Fachkräftemangels in der Pflege. Laut Nonnemacher ist ein wachsender Anteil älterer Menschen auch mit einem höheren Anspruch an die Pflege verbunden. »Zum Glück steigt die Lebenserwartung - in der Folge altert unsere Gesellschaft. Dieser Tatsache müssen wir uns stellen«, sagt die Ministerin. In den vergangenen zwei Jahrzehnten habe sich der Anteil der Pflegebedürftigen um das Zweieinhalbfache erhöht. Diese Tendenz werde sich fortsetzen. Aufgrund des hohen Durchschnittsalters weise Brandenburg eine recht hohe »Pflegequote« von 6,1 Prozent auf, die sich weiter erhöhen werde. In zehn Jahren sind 44 000 Pflegefachkräfte erforderlich, nur 1500 junge Menschen haben im vergangenen Jahr die Ausbildung für einen Pflegeberuf begonnen. Derzeit finden 80 Prozent der Pflege ambulant und im häuslichen Bereich statt. »Die Menschen wollen nicht ins Heim«, weiß Nonnemacher. Sie gehen erst ins Heim, »wenn gar nichts mehr geht«. Weil Menschen heutzutage länger rüstig bleiben, ist auch das Alter, in dem sie ins Heim kommen, gegenüber früheren Jahren deutlich gestiegen.

Studie im Internet unter: msgiv.brandenburg.de

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