Wieder mit dem Zug nach Karow

Linke wirbt für Reaktivierung einer stillgelegten Bahnstrecke von Meyenburg nach Mecklenburg-Vorpommern

  • Von Andreas Fritsche, Meyenburg
  • Lesedauer: 3 Min.
Linke-Landeschefin Anja Mayer, die in Nordwestbrandenburg für den Bundestag kandidiert, am Bahnhof Meyenburg
Linke-Landeschefin Anja Mayer, die in Nordwestbrandenburg für den Bundestag kandidiert, am Bahnhof Meyenburg

Aus dem Nachbarland Mecklenburg-Vorpommern sind die Landtagsabgeordnete Mignon Schwenke (Linke) und ihre Fraktionschefin Simone Oldenburg am Donnerstag mit dem Auto zum Bahnhof von Meyenburg in der Prignitz gekommen. Denn aus ihrer Heimat fährt kein Zug mehr dorthin. Aber auch Brandenburgs Linksfraktionschef Sebastian Walter hat sich mit dem Pkw bringen lassen. Denn er hätte mit dem öffentlichen Personennahverkehr aus Eberswalde viereinhalb Stunden gebraucht, entschuldigt er sich. Der brandenburgische Landtagsabgeordnete Christian Görke (Linke) trifft über Umwege mit einem Regionalzug ein. Sein Referent Fritz Viertel bricht bei der Anreise den Umsteigerekord: Er nimmt früh die Straßenbahn aus Schöneiche nach Berlin-Friedrichshagen, dann die S-Bahn nach Ostkreuz, den Regionalexpress nach Neustadt (Dosse) und von dort nacheinander drei Triebwagen der Hanseatischen Eisenbahn GmbH nach Kyritz, nach Pritzwalk und schließlich nach Meyenburg.

Die Beispiele zeigen, wie vernünftig eine durchgehende Verbindung von Neustadt (Dosse) bis Priemerburg in Mecklenburg wäre. Dass die Infrastruktur vorhanden ist, zeigen Görke und Genossen am Donnerstag bei einer Sonderfahrt mit der Hanseatischen Eisenbahn. Denn Gleise gibt es zwischen Meyenburg und Priemerburg - nur seit Jahren keine Zugverbindung mehr.

Dass es zumindest noch Zugverkehr von Neustadt (Dosse) nach Meyenburg gibt, ist den Landkreisen Ostprignitz-Ruppin und Prignitz sowie den Städten und Gemeinden mit Bahnhöfen an der Strecke zu verdanken, die seit 2012 einen finanziellen Beitrag dazu leisten. Sonst würden auf den letzten Kilometern nur noch Busse verkehren. Viel ist freilich auch nicht los auf der Strecke. Zwischen Neustadt (Dosse) und Kyritz fährt die Regionalbahn RB 73/74 immerhin noch stündlich, hinter Kyritz alle zwei Stunden und hinter Pritzwalk bloß noch mit vier Zugpaaren am Tag. Jetzt steht sogar der Plan im Raum, die Verbindung neu auszuschreiben und dabei in zwei Lose aufzuteilen.

Es sei zu befürchten, dass für den wirtschaftlich weniger interessanten Abschnitt ab Kyritz keine Angebote eingehen und der Zugverkehr dort entfällt, warnt Andreas Much von der Kreisverwaltung Prignitz. »Es wird immer gesagt: Das ist schrecklich teuer. Das Land hat kein Geld«, bedauert Werner Nüse, Umweltdezernent in der Kreisverwaltung Ostprignitz-Ruppin. Diesen Freitag soll es eine Videokonferenz mit dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg geben, um zu besprechen, wie es weitergeht.

In den vergangenen 30 Jahren sind in Ostdeutschland 2500 Kilometer Bahnstrecke stillgelegt worden, davon 550 Kilometer in Brandenburg und 300 in Mecklenburg-Vorpommern. Doch der Bund habe sich vorgenommen, den Personenzugverkehr innerhalb von neun Jahren zu verdoppeln und den Güterzugverkehr um 40 Prozent zu steigern, erinnert der Landtagsabgeordnete Görke. Seiner Ansicht nach ist das nur zu schaffen, wenn alte Nebenstrecken reaktiviert werden. Signale, dass dies tatsächlich geschehen soll, nimmt er befriedigt zur Kenntnis. Das wäre eine Chance für ein sogenanntes Karower Kreuz: Es sollte eine durchgehende Verbindung von Neustadt (Dosse) über Karow nach Priemerburg geben, wo Anschluss an den Regionalexpress 4 bestehen würde, und außerdem eine Verbindung von Parchim über Karow nach Malchow. Auch diese Strecke ist im Moment stillgelegt.

Görkes Genossin Schwenke wünscht sich die Wiederbelebung des Karower Kreuzes genauso. Sie betont das bei einem halbstündigen Zwischenstopp auf dem sonst gottverlassenen Bahnhof Karow. Dort sind die Fenster des alten Bahnhofsgebäudes mit Holzplatten verschlossen. Auf dem Bahnsteig rostet eine Rohranlage, über die einst Dampfloks mit Wasser befüllt wurden. Daneben liegt ein brüchiger Schlauch, der an Dieselloks angeschlossen wurde, die natürlich auch Kühlwasser brauchen, wie der Lokführer der Sonderfahrt erläutert.

Die Finanzierung sei nicht das Problem beim ersehnten Karower Kreuz, ist Görke überzeugt. »Hier fehlt nur eine politische Entscheidung«, sagt der ehemalige brandenburgische Finanzminister. »Mir soll keiner etwas von fehlendem Geld erzählen.« Brandenburg habe 200 Millionen Euro Regionalisierungsmittel des Bundes für den Zugverkehr »auf der hohen Kante« und müsste diese Mittel für solche Projekte nur endlich ausgeben. »In Mecklenburg-Vorpommern sind es sogar 300 Millionen.«

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