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Half Putin persönlich Trump ins Amt?

Laut dem britischen »Guardian« legt ein Dokument aus dem Kreml diesen Schluss nahe

  • Von Reiner Oschmann
  • Lesedauer: 3 Min.

Vor sechs Monaten verließ Trump das Weiße Haus in Washington, doch ein Donald geht niemals so ganz: Der Londoner »Guardian« hat jetzt ein Exklusivmaterial veröffentlicht, das erstmals nahelegt, Russlands Präsident Putin und die russischen Geheimdienste hätten im Januar 2016 eine Aktion vereinbart, um dem damaligen Präsidentschaftsbewerber der US-Republikaner zum Sieg zu verhelfen. Die namhafte Zeitung, vor 200 Jahren als »Manchester Guardian« gegründet, bezieht sich auf geheime Dokumente. Diese »scheinen ein ernstes, höchst ungewöhnliches Leck im Kreml widerzuspiegeln«. Die Zeitung, die die Dokumente einsehen konnte, gibt keine Echtheitsgarantie. Sie habe sie unabhängigen Experten vorgelegt, denen die Papiere authentisch erschienen. Der Kreml, von der Zeitung befragt, erklärte durch Putins Sprecher Dmitri Peskow, die Vorwürfe seien »ein Schmarrn«. Trump, genauso vorhersehbar, reagierte nicht auf Anfrage.

Kernaussagen des Materials: Wladimir Putin habe im nationalen Sicherheitsrat eine Spionageoperation gebilligt, um bei der US-Wahl 2016 einen »geistig instabilen« Donald Trump zu begünstigen. Das entscheidende Treffen habe am 22. Januar 2016 in Anwesenheit des russischen Präsidenten, der Chefs der Geheimdienste und hoher Minister, darunter der damalige Premier Dmitri Medwedew und Außenminister Sergej Lawrow, im Kreml stattgefunden. Die Teilnehmer seien einig gewesen, dass ein Trump im Weißen Haus nützlich sein werde, Moskaus strategische Ziele zu befördern, etwa »gesellschaftliche Unruhen« in den USA und eine Schwächung der Verhandlungsposition des US-Präsidenten. Die drei Geheimdienste seien beauftragt worden, Maßnahmen zur Wahlkampfunterstützung Trumps zu ergreifen.

Laut »Guardian« haben westliche Dienste seit Monaten von den russischen Dokumenten Kenntnis. Ein separater, geheim eingestufter Bericht mit dem Zeichen »No 32-04 vd« enthielt der Zeitung zufolge ein Psychogramm Trumps und eine Bewertung der Vorteile einer etwaigen Trump-Präsidentschaft für Russland. Trump sei demnach ein »impulsives, geistig instabiles und unausgeglichenes Individuum mit einem Minderwertigkeitskomplex«. Der Bericht, so der »Guardian«, lege zudem nahe, dass Russlands Dienste belastendes Material über Trump besaßen. Dies sei bei früheren »inoffiziellen Besuchen« und »bestimmten Vorkommnissen« des späteren Präsidenten in Russland gesammelt worden, betont die Zeitung.

Dem »Guardian« zufolge sollen Putin und die Geheimdienstchefs einen Plan verabschiedet haben, »um mit dem Anspruch berechtigter Selbstverteidigung in die US-Demokratie einzugreifen«. Maßnahmen werden zitiert, die der Kreml als Reaktion auf vorgeblich feindselige Akte Washingtons ergreifen könnte. So wurde angeregt, mit Hilfe von Medien prominente US-Politiker zu diskreditieren. Das Papier enthalte Absätze, wie Russland »Medienviren« ins öffentliche Leben der Vereinigten Staaten einschleusen könne, die sich »selbst tragen und selbst replizieren«. Das werde das Massenbewusstsein, besonders in bestimmten Gruppen, verändern, heiße es darin.

Die Dokumente, so der »Guardian«, wirkten heute wie ein Fahrplan für das, was 2016 geschah. So habe Wochen nach dem Treffen des Sicherheitsrates der Militärgeheimdienst GRU die E-Mail-Server des Democratic National Committee, des Parteiführungsgremiums von Trumps Rivalin Hillary Clinton, gehackt und bald darauf Tausende private E-Mails in der Absicht veröffentlicht, Clintons Kampagne zu schaden. Die Zeitung zitiert Andrej Soldatow, einen Geheimdienstexperten, für den das Material »die Wirklichkeit widerspiegelt«. Längst behalte sich der Kreml vor, derartige Operationen selbst zu kontrollieren: »Putin hat seinen Spionen spätestens 2015 zu verstehen gegeben, dass nichts unabhängig von ihm geschehen darf. Es gibt keinen Spielraum für Eigenmächtigkeiten.«

Andere Experten raten zu Vorsicht und schließen nicht aus, dass die Dokumente der Desinformation dienen. Der frühere britische Botschafter in Moskau dagegen, Sir Andrew Wood, erklärte dem »Guardian«, die Papiere bezeugten »Diskussion und Empfehlungen, die man erwarten würde.« Sie seien » nur für eine Person (Putin) geschrieben, die sich nicht vorstellen kann, etwas falsch verstanden zu haben«. Wood: »Es gibt z.B. kein Gespür dafür, Russland könnte mit der Invasion der Ukraine einen Fehler begangen haben. Zudem haben sie manche Wahnvorstellung. Sie machen die USA für alles verantwortlich. Diese Sicht wurzelt tief in der Seele der russischen Führer.«

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