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Vestas macht Lausitzer Windradwerk dicht

Dänischer Konzern schließt seinen Standort in Lauchhammer - rund 460 Menschen verlieren ihre Arbeit

  • Von Tomas Morgenstern und Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 3 Min.
Der dänische Windkraftanlagenbauer Vestas setzt stärker auf Offshore-Anlagen. Im Bild die Visualisierung des Offshore-Windparks Arcadis Ost 1, der mit 257 Megawatt installierter Leistung 15 Kilometer nordöstlich vor Kap Arkona entstehen soll.
Der dänische Windkraftanlagenbauer Vestas setzt stärker auf Offshore-Anlagen. Im Bild die Visualisierung des Offshore-Windparks Arcadis Ost 1, der mit 257 Megawatt installierter Leistung 15 Kilometer nordöstlich vor Kap Arkona entstehen soll.

Die Ankündigung des Windkraftanlagenherstellers Vestas, sein Werk in Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz) bis zum Jahresende zu schließen, stößt in Brandenburg auf Empörung. Im Landtag in Potsdam sprach Linksfraktionschef Sebastian Walter am Dienstag von einem »verheerenden Signal«. 460 Menschen drohten in einer ohnehin strukturschwachen Region ihre Arbeit zu verlieren. Vom Land fehlt ihm ein klares Bekenntnis zum Ausbau erneuerbarer Energien. Alle von der Regierung geförderten Rückkehrerprogramme seien gegenstandslos, wenn Beispiele wie das in der Lausitz Schule machten. »Wir sind zum Erfolg verdammt«, so Walter. Teils heftige Kritik kam auch aus den Fraktionen von CDU, Grünen und Freie Wähler.

Die schlechte Nachricht traf die 17 500 Einwohner zählende Industriestadt Lauchhammer am Montag völlig unvorbereitet. Auf der Youtube-Seite der Stadt schildert Bürgermeister Jörg Rother (parteilos), dass ihn gegen Mittag ein Vertreter des Unternehmens noch vertraulich über die geplante Werksschließung informiert habe. Bereits eine Stunde später sei auch die Belegschaftsversammlung über den geplanten Schritt in Kenntnis gesetzt worden. Klar ist: Damit stehen ab sofort rund 460 Industriearbeitsplätze zur Disposition. Das Werk stellt verschiedene Typen von Rotorblättern her.

Rother spricht von einem »Schock« für die Region. »Die Aufgabe des Produktionsstandortes Lauchhammer von Vestas ist für mich als amtierender Bürgermeister angesichts der wachsenden Bedeutung erneuerbarer Energien nur schwer nachvollziehbar. Für die Stadt Lauchhammer ist die Schließung ein enormer Verlust in vielerlei Hinsicht«, erklärte er in einem schriftlichen Statement der Stadtverwaltung. Er hoffe, dass Lauchhammer mit diesem Problem nicht alleingelassen werde. Erste Gespräche seien mit der Landesregierung und hier vor allem dem Wirtschaftsminister bereits geführt worden.

Vestas hatte am Montag angekündigt, drei europäische Werke mit insgesamt 650 Beschäftigten zu schließen. Neben Lauchhammer seien bis Mitte 2022 auch die Standorte in Viveiro (Spanien) und Esbjerg (Dänemark) betroffen. In Deutschland beschäftigt der dänische Konzern 2500 Mitarbeiter an zehn Standorten. Man decke hier die gesamte Wertschöpfungskette ab, von Forschung und Entwicklung bis zu Produktion und Vertrieb. In Hamburg befindet sich zudem der Hauptsitz für Nord- und Mitteleuropa.

In Lauchhammer ist Vestas im Laufe der vergangenen 19 Jahre zu einem Anker des Strukturwandels bei der Überwindung der Braunkohlewirtschaft geworden. Gleichwohl musste das Werk schon vor zwei Jahren die Hälfte seiner Belegschaft abbauen. Von einer schwierigen Entscheidung spricht Tommy Rahbek Nielsen von der Unternehmensleitung. »Die schnell voranschreitende Energiewende, die rasche Einführung neuer Produkte und die jüngste Integration unseres Onshore- und Offshore-Geschäfts verlangen von uns, dass wir unser Lieferkettennetz und unsere Produktionsbasis weiter ausbauen und entwickeln«, so der Manager. Man prüfe Möglichkeiten, Mitarbeitern aus Lauchhammer Arbeit an anderen Standorten in Deutschland zu vermitteln.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) reagierte mit Unverständnis auf die Entscheidung. »Insbesondere mit Blick auf den Weg Richtung Klimaneutralität, infolge dessen eine Beschleunigung auch bei der Windenergie zu erwarten ist, kann ich diese Entscheidung nicht nachvollziehen«, teilte er mit. »Warum gerade jetzt, wo eine deutliche Nachfragesteigerung zu erwarten ist, ein so wichtiger Standort geschlossen wird, erschließt sich mir nicht.«

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