Werbung

Revolution gegen das Doofe

Gemein und aufmerksam: Gerhard Polt wird 80

  • Von Christof Meueler
  • Lesedauer: 3 Min.
Gerhard Polt: Revolution gegen das Doofe

Wie funk­tio­nie­ren Poli­tik und Kunst in Bay­ern? Ent­we­der man sitzt im CSU-Bier­zelt und trinkt sein Bier, oder man ist drau­ßen und läuft dann mit der roten Fah­ne in die­ses Bier­zelt rein, erzähl­te mir mal ein Münch­ner Lin­ker. War­um kommt da poli­tisch so wenig bei raus? Ger­hard Polt erklärt es in sei­nem Sketch »Der Revo­lu­tio­när«: Dar­in regt sich einer über die Ver­hält­nis­se der­art auf, dass er zu dem Schluss kommt, da hel­fe nur eine Revo­lu­ti­on – »und das ist der Grund, wes­halb ich auch die­ses Jahr wie­der CSU wähle«. 

Die Scher­ze von Polt sind gemein, denn er schätzt die Scha­den­freu­de. Doch sein Vor­trag lebt von der Kunst der Hemds­är­me­lig­keit, vor­ge­tra­gen im ober­bay­ri­schen Idi­om; das wirkt wie Folk­lo­re für Tou­ris­ten. In Wahr­heit ist das die per­ma­nen­te Revo­lu­ti­on gegen das rea­le Doo­fe. Unter­stützt wird er dabei live von den Lie­dern der Brü­der Well, frü­her Bier­mö­sel Blosn: Klingt wie Volks­mu­sik, ist aber baye­ri­sche Agitprop-Kunst.

Berühmt wur­de Polt in den 80er Jah­ren mit der BR-Serie »Fast wia im rich­ti­gen Leben«, »ein ewig sehens­wer­tes Kotz­bro­cken-Idyll« (Richard Oeh­mann). Gilt auch für sei­ne knall­har­te, zweit­lo­se Faschings-Stu­die »Kehr­aus«, sei­nem Kino­de­büt von 1983. Das ist der uner­bitt­li­che Polt­sche Rea­lis­mus, der sich so poe­tisch-sar­do­nisch ent­fal­tet. »Ich den­ke mir nie irgend­was aus, son­dern arbei­te immer mit rea­len Bedin­gun­gen«, sag­te er jetzt dem »Süd­deut­sche Zei­tung Magazin«. 

Der »Zeit« erzähl­te er 2010, was er als Kind wer­den woll­te: Boots­ver­lei­her. Weil der so ruhig war, »die­ser Mann, der sich selbst genüg­te. Der Mann hat­te Wür­de.« – »Er strahl­te eine Art Wider­stands­geist aus?« – »Das ist es. Wenn ich eine Grup­pe sehe, von denen neun mit gro­ßer Einig­keit und Begeis­te­rung bei einer Sache mit­ma­chen, und einer dreht sich weg, dann fin­de ich die­sen einen inter­es­sant. Das ist mein Mann. Aber ich mache mir Sor­gen, dass sol­che Leu­te weni­ger wer­den.«. Am heu­ti­gen Sams­tag wird Ger­hard Polt 80.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung