Blockade mit Schlauchbooten

Umweltaktivisten haben in Kiel gegen den Kreuzfahrt-Tourismus demonstriert

  • Von Dieter Hanisch, Kiel
  • Lesedauer: 3 Min.
Bereits 2019 blockierten Aktivisten im Kieler Hafen Kreuzfahrtschiffe. Foto: picture alliance/dpa/Thomas Eisenkrätzer
Bereits 2019 blockierten Aktivisten im Kieler Hafen Kreuzfahrtschiffe. Foto: picture alliance/dpa/Thomas Eisenkrätzer

Rund 50 Aktivisten hielten die Kieler Wasserpolizei bis Sonntagabend in Atem. Sie versuchten, das Auslaufen von drei Kreuzfahrtschiffen in der Kieler Förde zu behindern. Dabei setzten sie Kajaks und Schlauchboote ein. Mit ihrer Aktion wollten sie auf die unsägliche Rolle der Schiffsriesen bei der weltweiten Klimaverschmutzung aufmerksam machen. Im Verlauf brachen einige Aktivisten, die sich »Smash Cruiseshit« nennen, aus Sicherheitsgründen ihre Blockadeversuche ab, nachdem ein Gewitter über der Förde aufgezogen war.

Gruppensprecher Ari Hansen sagte zu den Beweggründen des Protestes: »Wir lassen nicht mehr zu, dass Pazifikstaaten im Meer versinken, weil riesige Kreuzfahrtschiffe von Hafen zu Hafen fahren.« Nach Auskunft der Umweltschützenden entspricht der durchschnittliche CO2-Tagesausstoß eines Kreuzfahrtschiffes dem von 840 000 Autos.

Während die regulären Fahrpläne der »Norwegian Dawn« unter der Flagge der Bahamas und der »MSC Preziosa« unter der Flagge Panamas nicht durcheinandergebracht wurden, verspätete sich das Auslaufen der »Vasco da Gama« aus Portugal geringfügig. Die Aktivisten befestigten nach eigenen Angaben an einem der drei Schiffe ein Transparent. Die Polizei zwang viele Aktivisten zur Aufgabe und stellte deren Personalien fest. Die beteiligten Boote und Kanus wurden beschlagnahmt. Laut Polizei gab es bei der Aktion weder Verletzungen noch Sachbeschädigungen.

Bereits im Juni 2019 hatte eine ähnliche Aktion erstmals für Wirbel in Kiel gesorgt. Die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt setzt stark auf den boomenden Kreuzfahrttourismus. Die Seehafen Kiel GmbH verzeichnet für das laufende Jahr rund 250 Anläufe von Kreuzfahrtschiffen – ein Zuwachs von 40 Prozent gegenüber der Vor-Corona-Jahresbilanz 2019.

Neben den Kreuzfahrten wird in Kiel der reguläre Fährverkehr abgewickelt. Das muss bei der Umweltbilanz noch hinzugerechnet werden. Die Gruppe »Smash Cruiseshit« fordert von der Stadt Kiel, sich ein Beispiel an Eckernförde zu nehmen. Dort hat die Kommunalpolitik entschieden, dass die Passagierschiffe die Eckernförder Bucht nicht mehr als Destination anlaufen dürfen, weil es dem Ziel eines nachhaltigen, ökologischen Tourismus widerspreche. Die Seehafen Kiel GmbH selbst hat als Ziel ausgegeben, dass sie ab 2030 emissionsfrei arbeiten möchte. Dafür sollen weitere Landstromanschlüsse errichtet werden, wofür viele Kreuzfahrtriesen aber bisher gar nicht die passenden Anschlüsse besitzen und damit weiterhin zur Stromerzeugung während ihrer Liegezeit die eigenen Motoren laufen lassen.

Aus Sicht der Klima-Aktivisten betreiben viele Reedereien mit der Abkehr von Diesel und dem Wechsel zur Antriebsverbrennung von flüssigem Erdgas (LNG) lediglich ein die Öffentlichkeit täuschendes Greenwashing. Sie verweisen dabei auf wissenschaftliche Berechnungen durch das renommierte Fraunhofer-Institut. Auf einem Protestbanner stand am Sonntag »LNG stoppen«. »Wenn wir als Gesellschaft wirklich auf Erdgas statt auf erneuerbare Energieträger setzen wollen, müssen wir uns in der aktuellen Krise fragen, ob wir im Winter Wohnungen heizen oder auf Kreuzfahrtschiffen über die Meere fahren wollen«, ergänzte Sprecher Ari Hansen.

»Smash Cruiseshit« wollte nicht nur auf die ökologische Problematik aufmerksam machen. In ihrer Pressemitteilung und auf an Land in Kiel verteilten Flugblättern prangerte die Aktionsgruppe »niedrige Stundenlöhne« und »Ausbeutung« an Bord von Kreuzfahrtschiffen an. Diese Praktiken müssten gestoppt werden. Zum Teil werde den Seeleuten ein Stundenlohn von gerade einmal zwei bis drei Euro gezahlt.

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