»Heldengedenken« ohne Soldaten

Bundeswehr untersagt Uniformierten Teilnahme an Trauer auf Garnisonsfriedhof

Reservemajor Armin Brenker schweigt. In seiner Funktion als Vizepräsident des »Rings Deutscher Soldatenverbände Berlin« ist er zwar Veranstalter der jährlichen öffentlichen Gedenkveranstaltung zum so genannten Volkstrauertag auf dem Garnisonsfriedhof in Neukölln, mit den Medien möchte er jedoch nicht sprechen. Im Jahr zuvor hatte Brenker noch die Teilnahme rechtsextremer Parteien und Mitglieder militanter Kameradschaften mit den Worten gebilligt, »jeder darf hier Kränze niederlegen«. Doch in diesem Jahr ist alles ein wenig anders.

An der Feier, zu der gestern rund 150 Menschen gekommen sind, nehmen zwar wieder Rechtsextreme teil, die obligatorische gemeinsame Kranzniederlegung von Reservistenverbänden und Rechten entfällt jedoch, sodass die Kränze der DVU, des »Stahlhelms« sowie anderer rechtsextremer Organisationen am Ende alleine an dem zentralen Gedenkkreuz liegen. Zudem sucht man Bundeswehrsoldaten in Uniform in diesem Jahr vergeblich. Weder ein Trompeter noch die Betreuung der ausländischen Militärattachés wurden diesmal von der Armee übernommen.

»Die Teilnahme von Soldaten der Bundeswehr ist durch das Standortkommando Berlin untersagt worden«, klärt die Bundestagsabgeordnete der LINKEN, Ulla Jelpke, auf. Dies habe die Bundesregierung auf Anfrage erklärt, so Jelpke. Dass der Veranstaltung damit der offiziöse Charakter genommen wird, dürfte nicht zuletzt dem gemeinsamen Engagement antifaschistischer Gruppen und der LINKEN geschuldet sein.

Auch in diesem Jahr haben sich vor dem Friedhof wieder 150 Demonstranten zusammengefunden, um gegen das »Heldengedenken« zu protestieren. Sie halten Schilder hoch, auf denen ein Gedenkkranz durchgestrichen ist, und pfeifen mit Trillerpfeifen. »Wir sind zwar zu Beginn des Heldengedenkens vom Eingang weggeschubst worden und die Polizei hat versucht, unseren Lautsprecherwagen abzuschirmen«, sagt die Organisatorin Martje Reichelt vom gedenkpolitischen Rechercheteam, dennoch sei man mit der Aktion zufrieden.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung