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  • Frauen-Geschichte(n)

Rose Ausländer

  • Von Martin Stolzenau
  • Lesedauer: 2 Min.

Schreiben war Leben. Überleben für Rose Ausländer, die als Rosalie Beatrice Ruth Scherzer 1907 im »viersprachigen« Czernowitz in der damals österreichischen Bukowina geboren worden ist und vor 20 Jahren als anerkannte deutschsprachige Lyrikerin starb. Zunächst von Hermann Hesse und von Rainer Maria Rilke geprägt, gelangte sie über die Expressionisten schließlich in New Yorker Jahren zur Neuen Sachlichkeit. Nach Jahren (verständlicher) deutschsprachiger Abstinenz fand sie unter dem Einfluss von Paul Celan zu einem Ausdrucksvermögen in Deutsch »nahe der Alltagssprache, ohne Reim und in freien Rhytmen«.

Rose Ausländer entstammte einer deutschsprachigen k.u.k. Beamten-Familie mit jüdischen Wurzeln. Der frühe Tod des Vaters hatte die Verarmung der Familie zur Folge. Rosa Scherzer war es dennoch möglich, Philosophie zu studieren. Mit ihrem Kommillitonen Ignaz Ausländer wechselte sie dann nach New York in die USA, wo beide heirateten und die amerikani- sche Staatsbürgerschaft erwarben. Die Ehe war nicht von Bestand. Nach der Scheidung kehrte Rosa Ausländer 1931 zur Pflege ihrer kranken Mutter nach Czernowitz zurück. Für den Broterwerb arbeitete sie als Englischlehrerin sowie Redakteurin. 1939 erschien endlich ihr erster Gedichtband, der von der Literaturkritik gefeiert wurde, jedoch beim breiten Publikum nach der faschistischen Gleichschaltung Rumäniens unter der Regierung Antonescu unbeachtet blieb. Die Faschisierung veränderte ihr Leben dramatisch. Ab 1941 lebte sie versteckt mit ihrer kranken Mutter sowie ihrem Bruder in diversen Kellern des Ghettos von Czernowitz, in der ständigen Angst vor der Deportation in ein KZ. Dabei lernte sie Paul Celan kennen und schätzen, der sie darin bestärkte, das Schreiben fortzusetzen. Rosa Ausländer und Celan gehörten 1945 zu den 5000 Überlebenden der insgesamt 60 000 Juden dieses Ghettos. Sie ging erneut nach New York. Erst 1965, fast parallel zum Erscheinen ihres zweiten umfangreichen Gedichtbandes, ließ sie sich in Düsseldorf nieder. 1970 zog sie ins Nelly-Sachs-Haus der Düsseldorfer jüdischen Gemeinde. Die erst in ihrem späten Lebensabend in Deutschland Geehrte verstarb am 3. Januar 1988.

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