Option Hoppegartens macht die Pferde scheu

Naturschutzbund wäre am Kauf der Trainierbahn Neuenhagen interessiert und sieht sich ausgebremst

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

Frank Ott lässt den Sulky passieren, läuft dann über die Sandstrecke der Trainierbahn Neuenhagen und zeigt auf die herrlich blühenden Weißdornbüsche. »Da leben 60 Arten dran«, schwärmt der stellvertretende Ortsgruppen-Vorsitzende des Naturschutzbundes (NABU). Die Trainierbahn ist Teil eines Landschaftsschutzgebietes. Die Nachtigall singt, der Schwarzspecht hämmert, Anwohner und Ausflügler gehen spazieren oder legen sich zum Sonnenbad ins Gras.

Bislang kommen sich die Anwohner, die Reiter und die Traber, die für Wettkämpfe auf den Trabrennbahnen Mariendorf und Karlshorst üben, nicht ins Gehege. Doch der NABU fürchtet, dass es mit dem friedlichen Nebeneinander irgendwann vorbei sein könnte. Im März kaufte Gerhard Schöningh die Galopprennbahn im benachbarten Hoppegarten von der bundeseigenen Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG). Er hielt sich dabei die Möglichkeit offen, später auch noch die Trainierbahn Neuenhagen zu erwerben.

Die Trainierbahn gehörte seit 1898 zum Komplex der Galopprennbahn. Die hier ansässigen Rennställe nutzten sie. Das Areal galt als Betriebsgelände. »Das Betreten war zwar verboten, aber die Anwohner haben sich nicht darum gekümmert, auch wenn die Reiter das nicht gern sahen«, erinnert sich der 49-jährige Ott. In den Jahren seit 1990 fiel die Trainierbahn in eine Art Dornröschenschlaf und die Ausflügler eroberten die Anlage Stück für Stück. »Am Wochenende ist richtig was los«, erzählt Ott.

Der NABU hätte das Gelände gern schon längst gekauft, um es zu pflegen. Doch die BVVG wollte abwarten, was aus Hoppegarten wird. Nun steht die Option Schöninghs einem Vertragsabschluss zumindest einige Jahre lang im Weg.

Davon abgesehen ist die Angelegenheit auch noch eine Geldfrage. Was sie verlangen würde, verrät die BVVG nicht. Sie soll mal eine Million Euro gefordert haben. Nach dem Bodenrichtwert wären 320 000 Euro angemessen, sagt Ott. »Das würden wir bezahlen.« Bescheidene 5000 Euro Spenden sammelte die NABU-Ortsgruppe schon. Ansonsten zählt Ott auf den brandenburgischen Naturschutzfonds, der aber auf eine entsprechende Anfrage bisher nicht reagierte. Bei einer Wanderung will der NABU am Sonnabend zeigen, was der Öffentlichkeit vorenthalten würde, falls die Trainierbahn abgeschirmt wird. Treffpunkt ist um 10 Uhr der Parkplatz an der Hönower Chaussee, Ecke Entrichstraße. Als Ziel der zweistündigen Tour dient der Haustierhof »Kuhmuckel«. Der Kinderbauernhof befindet sich am Rande der Trainierbahn inmitten von Pferdeställen auf Land, das von der BVVG gepachtet ist. Deswegen gibt es die Angst, der Hof könnte verdrängt werden. »Das wäre sehr schade«, klagt Leiterin Ines Nook. So viel sei in den vergangenen Jahren gemacht worden: Räume renoviert, ein Teich angelegt, eine Kinderwerkstatt eingerichtet. Rund 2500 Besucher zähle die Einrichtung pro Jahr. »Wir wollen bleiben.«

Es besteht allerdings keine akute Gefahr. Ob Schöningh die Trainierbahn jemals übernimmt, ist völlig offen, versichert Andreas Neue, der Geschäftsführer der Galopprennbahn. Erst wenn die Boxen in Hoppegarten voll sind – das wäre vielleicht bei 300 Pferden der Fall – benötige man den Platz in Neuenhagen. Da wäre also noch Luft. Ob der Pferdesport eine öffentliche Nutzung tatsächlich ausschließt, ist laut Neue nicht einmal sicher. Vielleicht könnte man sich arrangieren, meint er.

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