Der Handel handelt gegen Rechts

Initiative gemeinsam mit Gewerkschaft auf Gelände der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen gestartet

  • Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

»Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus haben in unserem Betrieb keinen Platz!«, könnte im Kaufhaus am Schwarzen Brett stehen. »Wir tolerieren keine diskriminierenden Äußerungen oder körperliche Angriffe...« Es gibt jetzt kleine Pappkoffer mit Material zum Thema. Dahinter steht die Initiative »Handeln statt Wegsehen«. Sie startete gestern mit einer Veranstaltung in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen.

Arbeitnehmer und Arbeitgeber sind sich diesmal einig: Es muss etwas getan werden. Der Handelsverband (HBB), der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di haben sich an einen Tisch gesetzt und das Informationspaket für Berufsschullehrer, Betriebsräte und Firmenchefs in Berlin und Brandenburg entwickelt. Dabei geholfen hat die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus.

Der Handel sei auf jeden Kunden angewiesen und könne sich Intoleranz gar nicht leisten, erklärt HBB-Hauptgeschäftsführer Nils Busch-Petersen. 23 Prozent des Umsatzes in den Berliner Geschäften kommen durch die Einkäufe von Touristen zustande. Das sei über dem Durchschnitt. Die Branche brauche die Weltoffenheit.

In Handelsberufen gebe es zwar weniger Neonazis als anderswo, weiß ver.di-Geschäftsführer Roland Tremper. Doch auch hier könne etwas getan werden. Außerdem sei das Material auch für andere Branchen geeignet, die sich gern an der Initiative beteiligen dürfen. 62 000 Mitarbeiter beschäftigt der Handel in der Region. Er bildet 4500 junge Menschen aus, viele von ihnen im Oberstufenzentrum in der Kreuzberger Wrangelstraße, der größten Einrichtung dieser Art in Europa. Gerade Jugendliche sind manchmal anfällig für die Parolen der Rechtsextremisten. Um dem zu begegnen, muss man zunächst Bescheid wissen. Hier setzt der Koffer an. Beigelegt sind etwa ein Heftchen des Antifaschistischen Pressearchivs über die rechtsextremistische NPD und eine Broschüre über Mode, Symbole und Codes der Neonazis.

Busch-Petersen berichtet, wie der Inhaber eines Büroausstatters erst gar nicht glauben wollte, dass einer seiner Angestellten ein Neonazis ist. Der Angestellte trug Thor-Steinar-Klamotten. Doch dass diese Marke in rechten Kreisen beliebt ist, wusste der Inhaber nicht. Er hat den Mann, der dann immer frecher rechtsextreme Ansichten vertrat, schließlich entlassen. Gegen eine Kündigung aus einem solchen Grund hatte bisher kein Betriebsrat etwas einzuwenden, sagt Busch-Petersen. Rausschmeißen sollte man jedoch nur Aktivisten und Kader, rät er. Bei irregeleiteten Jugendlichen sollte man erst einmal versuchen, sie von rechtsextremen Ansichten abzubringen.

Die Initiative bietet ein Argumentationstraining im Betrieb oder in der Berufsschule an und vermittelt außerdem Führungen oder Workshops in der Gedenkstätte Sachsenhausen.

Damit ist es für den Handelsverband jedoch nicht getan. Er plant im Vorfeld des 70. Jahrestages der sogenannten Reichskristallnacht eine Plakataktion. In Berlin sollen Fotos von 1938 zerstörten Läden jüdischer Inhaber angebracht werden, um an das Pogrom zu erinnern. Die wichtigsten Warenhausgründer Deutschlands waren Juden, erzählt Busch-Petersen.

www.handeln-statt-wegsehen.de

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