Zwangsarisiert oder nicht?

Ein Immobiliendeal aus NS-Zeit bringt die Hamburger Lehrergewerkschaft ins Zwielicht

  • Von Guido Sprügel, Hamburg
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

Die Lehrergewerkschaft GEW in Hamburg streitet über den richtigen Umgang mit ihrer 1935 erworbenen Immobilie. Vom jüdischen Vorbesitzer für einen Spottpreis erworben, ist die Villa an der noblen Rothenbaumchaussee heute Millionen wert. Einige GEW-Vertreter bezweifeln öffentlich, dass die Nazis beim Verkauf Druck ausgeübt hätten.

Es ging hoch her auf der Landesvertreterversammlung (LVV) der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) am 24. November. Streitpunkt war wieder einmal die gewerkschaftseigene Villa an der Rothenbaumchaussee 19. Eine Mehrheit der Delegierten votierte gegen einen Antrag mit dem Titel »Verantwortung für die Geschichte übernehmen«, in dem der Unrechtscharakter des Erwerbs im Jahre 1935 explizit erwähnt wird. Die Villa wurde im Jahre 1935 durch den Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) von einer jüdischen Erbengemeinschaft für 40 000 Reichsmark erworben. Nach 1945 bekam die neu gegründete GEW das Objekt zugesprochen. Die beiden Gewerkschaftsfunktionäre Wilhelm Bernhardt und Kurt Holm, die schon in der NS-Zeit im NSLB aktiv waren, behaupteten damals, der Kauf sei völlig frei von Verfolgungsdruck und zum angemessenen Preis erfolgt.

Die als Käuferin auftretende »Lehrervereinshaus GmbH« wäre keine nazistische Gesellschaft gewesen, sonder...


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