Bomben aus »fiktivem Kapital«

Die Große Krise ist ein räuberischer Angriff des internationalen Finanzkapitals auf den Rest der Welt

  • Von Jürgen Elsässer
  • Lesedauer: ca. 9.0 Min.

Bei der aktuellen Weltwirtschaftskrise geht es nicht nur um Ökonomie, sondern auch um Imperialismus: Weniger die verschärfte Ausbeutung durch das Industriekapital (»Überakkumulation«) als die spekulativen Attacken des internationalen Finanzkapitals von seinen Hauptbastionen in den USA und Großbritannien aus haben zu der säkulären Katastrophe geführt, deren Anfänge wir gerade erleben. Planmäßig wurden »finanzielle Massenvernichtungswaffen« installiert und so ganze Industrieregionen in verbrannte Erde verwandelt. Da die internationale Regulierung des weltweiten Casinos von Washington und London blockiert wird, muss nun der Nationalstaat handeln: In Deutschland dürfen die Großbanken, die sich an der Erdrosselung der Realwirtschaft beteiligen, nicht gerettet werden. Notwendig ist vielmehr ihre entschädigungungslose Verstaatlichung und strenge demokratische Kontrolle.

Die Bundeskanzlerin bezeichnete die Wirtschaftskrise Mitte Oktober als die »schwerste Bewährungsprobe seit den zwanziger Jahren«. Was sind die Gründe für diesen schlimmsten Einbruch seit achtzig Jahren? Zwei Erklärungsansätze stehen sich gegenüber: Die Linke konstatiert vor allem ein Ausbeutungs- und Verteilungsproblem, das entsprechende Stichwort aus der Marxschen Theorie heißt Überakkumulation: Die Kapitalisten haben im Grunde nur getan, was sie schon immer tun, nur dieses Mal besonders brutal, nämlich die Ausbeutung so sehr verschärft, dass der aufgehäufte (»akkumulierte«) Mehrwert gar nicht mehr rentabel in der Produktion angelegt werden konnte und deswegen in die Spekulation abfloss.

Demgegenüber neigen bürgerliche Kommentatoren dazu, das Hauptproblem in der Finanzsphäre zu suchen. »Der Spiegel« sprach in diesem Zusammenhang in seiner Titelgeschichte Mitte November 2008 von einem »Kapitalverbrechen ..., begangen von Bankern, gedul...


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