Die Kette von Tallinn über Riga nach Vilnius ist gerissen

Mit Geschichtspolitik lassen sich die Probleme der baltischen Staaten nicht beherrschen

  • Von Krzysztof Pilawski und Holger Politt
  • Lesedauer: ca. 6.5 Min.

Am 23. August 1989 bildeten über zwei Millionen Bewohner der damaligen baltischen Sowjetrepubliken eine Kette, die Tallinn mit Riga und Vilnius verband. Sie gedachten auf diese Weise des 50. Jahrestags der Unterzeichnung des Ribbentrop-Molotow-Abkommens, forderten im Grunde aber die Lostrennung ihrer Republiken von der Sowjetunion und die staatliche Unabhängigkeit.

Riga am 9. Mai 2009: auf dem Weg zum Siegesdenkmal

In der Menschenkette vereinten sich Esten, Letten, Litauer, Russen, Ukrainer, Belorussen, Polen und Kaukasier. Wenn viele Jahre später Russlands Präsident Wladimir Putin vom Zerfall der Sowjetunion als der größten geopolitischen Katastrophe des 20. Jahrhunderts sprach, dann hatte die Kette der über zwei Millionen Menschen ihren besonderen Platz in dieser Auslegung der Geschichte.

Heute sind Estland, Lettland und Litauen Mitglieder der Europäischen Union und der NATO. Glaubt man dem ersten Eindruck, den die Zentren der drei Hauptstädte auf die Besucher machen, dann erinnert fast nichts mehr an die Zeiten der Sowjetunion. Und das wenige ist aufgehoben an besonderen Orten, etwa in den »Okkupationsmuseen«, die den Folgen des erwähnten Pakts zwischen Hitler und Stalin gewidmet sind. In Tallinn und Riga versuchen diese Museen, gleich den ganzen Zeitraum von 1939 bis 1991 zu umfassen. Wer durch die Räume gegangen ist, wird aufmerksamer darauf...


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