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Radler auf der Rollbahn

Führungen über den alten Flughafen Tempelhof

Energisch stemmte sich Regula Lüscher auf dem ehemaligen Flughafen Berlin-Tempelhof Wind und Nieselregen entgegen. »Ich laufe«, entschied die Senatsbaudirektorin, als sie am Samstag an der ersten öffentlichen Führung über das alte Flugfeld teilnahm und ihr eine Busfahrt angeboten wurde. Zu Fuß oder mit Omnibussen können Interessierte das 386 Hektar große Gelände noch einmal am kommenden Wochenende erkunden – Auftakt zur Bürgerbeteiligung bei der Gestaltung und Nutzung der geplanten »Parklandschaft Tempelhof«.

Die Schar der Interessierten blieb bei der Ersterkundung des weiten Flugfeldes überschaubar. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hatte nicht nur das Wetter gegen sich. Auch die Feiern zum Tag der deutschen Einheit waren starke Konkurrenz.

Lüschers Blick schweifte bis zum Horizont, als sie über die Pläne für die künftige Gestaltung des Tempelhofer Feldes berichtete: »Die Gebäude sollen als Flughafen Forum THF zu einem internationalen Zentrum für Medien- und Kreativwirtschaft entwickelt werden.« Am Tempelhofer Damm soll ein Standort für Zukunftstechnologien entstehen. Wohnquartiere sind laut Lüscher am Columbiadamm und in Richtung Neukölln entlang der S-Bahn geplant. Ansonsten könne das Areal für Erholung, Freizeit und Sport genutzt werden. Auch Feldlerche und Steinschmätzer, die sich hier in Biotopen eingerichtet haben, könnten in einem geschützten Gebiet weiter in Tempelhof bleiben.

Zur Konkretisierung des Gesamtprojektes wird ein Ideenwettbewerb veranstaltet, an dem sich die Bürger kräftig beteiligen sollen. Damit die sich ein Bild machen können, gibt es noch einmal am 10./11. Oktober geführte Spaziergänge und Bustouren über den stillgelegten Flughafen. Für die Fahrten ist eine Anmeldung notwendig: www.tempelhof.berlin.de oder Tel. 2 80 81 82 17. Vorschläge können schriftlich oder per TED-Abstimmung gemacht werden. Die Bürger können ihre Meinung im Hangar 1 abgeben. Der Zugang ist nur vom Columbiadamm aus möglich.

Die Öffnung des Tempelhofer Feldes soll laut Senatsverwaltung im Dreisprung erfolgen. Der erste Schritt ist getan – Führungen übers Feld. Der zweite Schritt ist für Mitte Oktober geplant: die Sportflächen am Columbiadamm werden für den Vereinssport geöffnet. Im Mai 2010 soll das Gelände dann für alle geöffnet werden. Dann können auch Radler über die Rollbahn fahren. Und in acht Jahren soll das gesamte Tempelhofer Feld als Wohn-, Freizeit- und Erholungsgebiet neu gestaltet sein.

In diesem Zusammenhang erfuhren die Besucher: Bevor das Militär das Tempelhofer Feld als Truppenübungsplatz nutzte, erholten sich die Berliner hier ebenso wie in der Hasenheide. Und das blieb auch so, als die Soldaten kamen. Da wurde das Gelände an den Wochenenden für die Armee kurzerhand gesperrt.

Viele Besucher wollten von Regula Lüscher wissen: Warum wird das Areal erst im nächsten Jahr geöffnet? Dazu Regula Lüscher: »Erst einmal muss das Gelände auf mögliche Kontaminierung hin untersucht werden. Die Anlagen der Flugsicherung und des Wetterdienstes, die weiterhin in Betrieb bleiben, müssen gesichert werden.« Dazu komme die Sicherung baufälliger Treppenanlagen sowie des Feuerlöschbeckens.

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