Stumme Glocke der Demokratie

Die Leipziger erinnern sich an ihren Herbst 1989 – der viele Hoffnungen geweckt, aber nicht alle erfüllt hat

  • Von Hendrik Lasch, Leipzig
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

In Leipzig wurde mit vielen Veranstaltungen an die große Montagsdemonstration vom 9. Oktober 1989 erinnert und die Demokratie gewürdigt, die jedoch nicht nur wegen technischer Fehler nicht immer funktioniert.

Die »Glocke der Demokratie«, die an den Leipziger Herbst 1989 erinnern soll, streikte zur Einweihung (oben). Manche Leipziger gedachten nicht nur der Geschichte, sondern auch an die Gegenwart (unten).

Die Glocke der Demokratie bleibt stumm. Erwartungsvoll schauen die Menschen, die in dichter Traube am Leipziger Augustusplatz stehen, auf das schulterhohe bronzene Ei, mit dem an einen Montag vor 20 Jahren erinnert werden soll. An jenem 9. Oktober 1989 »um genau 18.35 Uhr« seien die Demonstranten aus dem Schutz des Nikolaikirchhofes herausgetreten, »und es wurde nicht geschossen«, sagt Walter Christian Steinbach, Leipzigs Regierungspräsident. 70 000 Menschen zogen bei der bislang größten Montagsdemonstration um den Ring. Hier, so Steinbach, »begann das friedliche Ende der DDR«.

20 Jahre danach wurde gestern mit zahllosen Veranstaltungen daran erinnert. Am Vormittag trafen sich Bundespräsident, Kanzlerin und viel Prominenz im Gewandhaus zu einem großen Festakt. Nachmittags gab es ein Friedensgebet in der Nikolaikirche, eine Reminiszenz an die Versammlungen, in denen sich 1989 der Unmut in der DDR zunächst artikulierte. Für den Abend war ...


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