Der Tag, als die Banane kam

Thérèse Berger
Thérèse Berger

Wieder einer, der das auch mitmachen wollte und es nicht geschafft hat, denkt man zwischendurch. Aber Autor Pierre Mathias bekommt den Bogen am Ende hin. In seiner Inszenierung »Margot«, einem Monolog, der in der Brotfabrik uraufgeführt wurde, offenbart eine Karrierefrau in teurer Boutique-Kleidung, dass sie trotz aller Anstrengungen nicht im Westen angekommen ist.

Die Feierlichkeiten zu »20 Jahre Mauerfall« bringen sie auf die Idee, ein Theaterstück über ihr Leben zu schreiben. 16 Jahre alt war sie, als die Grenzen sich öffneten. Das sei der Tag gewesen, an dem die Banane kam. Gut für die Affen. »So haben uns die Wessis gesehen«, sagt Margot lakonisch. Voller Groll blickt sie auf ihr Elternhaus im Osten Berlins zurück, das sie im November 1989 verlassen hat. Mutter und Vater schildert sie als disziplinierte Genossen, die kein Abweichen vom Wege kannten, keine Kompromisse, und das Westfernsehen auch nicht.

Doch während sich Margot eine Flasche Rotkäppchen-Sekt hinterkippt, muss sie sich schmerzvoll eingestehen, dass sie heute ebenso angepasst lebt, nur eben anders. Im Gegensatz zu ihren Eltern hat sie bei allem beruflichen Erfolg und allem Geld, das sie auf gutem Posten in einer Bank verdient, keinerlei Ideale. Und wenn sie auch laut vom vereinten Deutschland schwärmt – eine Heimat hat sie nicht. Sie ist und bleibt ein Kind der DDR. Ob ihr das passt oder nicht.

Das geschickte Arbeiten zu dieser Aussage hin macht die Qualität des Stückes aus. Welche Mittel dem Autor dafür recht waren, darüber kann man streiten. Er verfällt vielen Klischees. In seinem Stück sind alle landläufigen negativen Aussagen aufgereiht, die über die DDR getroffen wurden. Dass es auch anderes Erwähnenswertes gab, muss er nicht sagen. Er schildert schließlich ein fiktives Schicksal, dass stellvertretend für viele sein soll. So packt er alles hinein. Dafür hat er als Schreiber auch alle Freiheit. Was man ihm aber nicht verzeihen kann, sind falsche Fakten. Da werden wir komisch, wie man in Berlin so sagt. Beispielsweise spricht Margot von Hammer und Sichel auf der DDR-Fahne. Oder sie beklagt das üble Treiben von Blockwarten, die es jedoch keineswegs in ihrer Kindheit, sondern in deutschen Nazijahren gab.

Thérèse Berger spielt die entwurzelte Frau ohne große Kulisse. Zwei Stühle, ein Handy – mehr umgibt sie nicht. Mehr braucht sie auch nicht. Nichts lenkt vom Wort ab in den 75 Minuten ihres Spiels. Sie zeigt Schmerz und wie sich Margot mit ihren Illusionen abplagt. Sie hatte so große Träume von der Liebe, als sie den Kunststudenten Benno aus dem Westen kennen lernte und ihm sofort verfiel. Da gab es die Grenze noch. Zum Abschied hatte sie keine Adresse von ihm. Sie fand ihn dennoch wieder als die Mauer fiel. Gras rauchend und zugedröhnt konnte er sich an Margot nicht erinnern. Ein Kommilitone hatte ihr die Tür geöffnet. »Kommst du aus der DDR? Willkommen in der Hölle!«

10.10., 20 Uhr, 11.10., 18 Uhr, Brotfabrik, Caligariplatz 1

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