Erst heiraten, dann studieren

Vor 160 Jahren wurde die Mathematikerin Sofja Kowalewskaja geboren

  • Von Martin Koch
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

Als Sofja Kowalewskaja 1884 ihre erste Vorlesung als Mathematikprofessorin hielt, war August Strindberg darüber so erbost, dass er giftete: Eine Frau in solcher Funktion sei »eine Ungeheuerlichkeit«. Die Zeiten haben sich geändert. Heute studieren in Deutschland ebenso viele Frauen wie Männer Mathematik.

Sofja Kowalewskaja wurde am 15. Januar 1850 als Sofja Krukowskaja in Moskau geboren. Schon früh entdeckte sie ihre Liebe zur Mathematik. Und obwohl dies ihrem Vater missfiel, stimmte er zu, dass die 17-Jährige Privatunterricht in Algebra, Analysis und Geometrie erhielt. Da Frauen in Russland aber nicht studieren durften, entschloss sich Sofja, ins Ausland zu gehen, was wiederum nur in Begleitung eines Ehemanns möglich war. Sie heiratete daher zum Schein den späteren Paläontologen Wladimir Kowalewski.

Hier wurde ihr zumindest gestattet, einigen Vorlesungen »beizuwohnen«. 1870 wechselte sie an die Universität Berlin, wo der berühmte Mathematiker Karl Weierstraß ihr anfangs eine schwierige Aufgabe stellte, die Sofja erstaunlich rasch löste. Weierstraß war davon so beeindruckt, dass er der jungen Russin Privatstunden gab, denn auch in Berlin waren Frauen zum Studium nicht zugelassen. 1874 verfasste Kowalewskaja drei Arbeiten für ihre Promo...


Wenn Sie ein Abo haben, loggen Sie sich ein:

Mit einem Digital-, Digital-Mini- oder Kombi-Abo haben Sie, neben den anderen Abo-Vorteilen, Zugriff auf alle Artikel seit 1990.

Bitte aktivieren Sie Cookies, um sich einloggen zu können.