Blutvoll ist die heutige Lesart

  • Von Volkmar Draeger
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

Pietro irrt mit dem Brief an Romeo gen Mantua, trifft auf eine schellenbehängte, wildhaarige Kräutersammlerin, der Pater Lorenzo einen Teil seines Heilwissens verdankt. Sie kann, im Gegensatz zu Pietro, den Adressaten zwar lesen, reicht die Epistel jedoch wortlos zurück. Blubberndes Prusten bleibt die einzige gemeinsame Verständigung, weil das Fatum längst seinen Lauf genommen hat.

So endet in Joachim Stargards Inszenierung von »Romeo und Julia« die größte aller Liebesgeschichten. Keine Versöhnung der Familien überm Grab der Kinder, keine Hoffnung auf ein Ende der Gewalt, allenfalls ein Atemholen. In knapp 20 teils sekundenkurze Bilder filetiert der Regisseur den Stoff, streicht erheblich im Shakespeareschen Original, setzt ihm etwa zur Hälfte eigene Texte, auch mit Reimschema, hinzu. Ohne Pause läuft die Version 90 Minuten durch, verzichtet auf Requisiten. Einzig mit Licht erstehen im Spiel der jungen Akteure die Orte der Handlung auf...


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