»Wir mussten 180 Jahre warten, um Bolivien neu zu gründen«

Evo Morales und die Bewegung zum Sozialismus nehmen die nächste Etappe in Angriff / Die Bewegung zum Sozialismus forciert den Prozess des Wandels im Andenstaat

  • Von Benjamin Beutler
  • Lesedauer: ca. 4.5 Min.

Pompös und bunt wie nie feierte die Regierung der »Bewegung zum Sozialismus« (MAS) den Beginn der neuen Legislaturperiode. In ihrer zweiten Amtszeit wollen die MAS und Präsident Evo Morales die Neugründung Boliviens als plurinationalen Staat vorantreiben.

Indigene Traditionen werden unter der MAS-Regierung neu belebt und hoch gehalten: Evo Morales (Dritter von links) umgeben von Aymara-Geistlichen auf dem Weg zur Zeremonie seiner Amtseinführung in Tiwanaku.

72 Kilometer von La Paz entfernt im Andenhochland liegt das Ruinenensemble von Tiwanaku, einstiges Machtzentrum der untergegangenen Zivilisation rund um den Titicaca-See. »Brüder und Schwestern, heute habe ich die Ehre, ihnen mitzuteilen, dass die Zeiten eines bettelnden und unwürdigen Boliviens vorbei sind«, so der Präsident Evo Morales feierlich. Bei den Wahlen vor zwei Monaten war er mit 63 Prozent der Stimmen wiedergewählt worden. Am Freitag begann die neue Regierungszeit bis 2015. »Es gibt einen Präsidenten und zwei Staaten«, erklärte der erste indigene Staatschef Südamerikas einen Tag zuvor bei einer traditionell-andinen Amtseinführung. »Einen kolonialen Staat, der jetzt geht und einen plurinationalen Staat, der jetzt kommt«, versprach Morales die »Abschaffung des Neoliberalismus«.

Wie schon nach seinem »historischen« Wahlsieg im Dezember 2005 (53 Prozent) wurde die symbolträchtige Ruinenstadt Tiwanaku zum Schauplatz einer religi...


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