Immer fremd

Wettbewerb: »Der Räuber«

  • Von Gunnar Decker
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

Als Johann Rettenberger aus dem Gefängnis kommt, weiß er, was er will: Nie mehr im Kreis laufen. Fortan wird er immer querfeldein laufen. Dafür hat er trainiert, sogar in seiner Zelle auf einem Laufband. Dieser Mensch (der Fremde schlechthin: Andreas Lust) ist ein Verlorener, gerade weil er jeden Lauf gewinnt. Niemand holt ihn mehr ein, niemand holt ihn zurück.

Benjamin Heisenberg hat mit »Der Räuber« eine Elegie der Einsamkeit geschaffen, wie sie kälter kaum vorstellbar. Denn dieser Mensch lebt ohne jeden Bezug zur Außenwelt, ohne Ziele, ohne Bindungen, ohne jede sichtbare Gemütsregung. Auch das Laufen interessiert ihn eigentlich nicht. Es ist ihm bloß ein Mittel zur Selbstanheizung. Da beginnt er zu spüren, dass es ihn gibt. Kaum ist er in Freiheit, gewinnt er einen Marathon nach dem anderen.

Egal, es bedeutet ihm nichts – hinterher. Aber wenn wir in sein Gesicht während des Laufens blicken – die Kamera läuft immer dicht ...


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