Die Reifeprüfung

Angst, Abwertung, Demütigung – Erinnerung an eine Internatszeit in der DDR

  • Von Anke Engelmann
  • Lesedauer: ca. 5.0 Min.

Sexuelle oder physische Gewalt an Schulen und Internaten – in der DDR war das kaum ein Thema, beim geringsten Verdacht wurden Jugend- und Schulämter aktiv. Doch auch ein permanentes Klima von Angst und Abwertung schadet jungen Menschen, weiß die Autorin aus eigener Erfahrung.

Wir standen im Kreis im Flur der Schule. Ein großer Kreis, gebildet von 25 etwa 13- und 14-Jährigen – der späteren 9 A. Verlegenheit hing über uns, wie Erwachsene machten wir höflich Konversation. Jemand riss ein Späßchen, eine andere sagte: »Na dann. Bis später.«

Das war im Frühsommer 1980. Noch wussten wir nicht, was uns erwarten sollte in den kommenden vier Jahren. Kurz darauf hockten wir uns auf der Pelle, in der Kreisstadt im Süden der DDR: ein Haufen von traurigen, wütenden, verlorenen, pubertätsgeschüttelten jungen Menschen. Das Ziel, ein Spezialabitur mit erweitertem Sprachunterricht, lag noch in weiter Ferne. Zwei Drittel der Klasse waren im Int...


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