Weltgeschichte auf dem Dorfanger

Lebenläufe von beiden Ufern der Oder

Das brandenburgische Dorf Aurith liegt an einem Ufer der Oder, Urad am anderen. Einst waren sie ein Dorf; heute verläuft zwischen beiden die deutsch-polnische Grenze. Die Berliner Journalistin Tina Veihelmann hat eine zweisprachige Dokumentation verfasst, in der Dorfbewohner von beiden Ufern zu Wort kommen. Während der jüngsten Usedomer Literaturtage – das Motto hieß »Odergeschichten« – sprach mit ihr Antje Rößler.

Tina Veihelmann wurde 1970 in Werneck (Unterfranken) geboren. Sie arbeitet seit 2007 beim »Freitag«.

ND: Warum interessiert Sie die Provinz an der Oder?
Veihelmann: Über Städte mit einer deutschen und einer polnischen Hälfte hört man ziemlich viel. Die Situation der geteilten Dörfer wird seltener beleuchtet, obwohl die Grenze zum größten Teil ländlich geprägt ist. Da es hier kaum Grenzübergange gibt, kommen die Leute nicht so einfach auf die andere Seite.

Wie ist die Situation in Aurith und Urad, die 25 Kilometer südlich von Frankfurt (Oder) liegen?
Das waren früher zwei Hälften eines Dorfes. Auf der östlichen Seite wohnte man, auf der westlichen waren die Felder. Es gab eine Fähre, die nach 1945 nicht wieder eingerichtet wurde. Heute hat das polnische Urad 400 Einwohner, das deutsche Aurith 60.

Wollten Sie wieder eine Verbindung herstellen?
Uns ging es um eine Veränderung in den Köpfen. Die Menschen haben keinen Anlass, nach drüben zu fahren, weil sie keine Vorstellung von der anderen Seite haben. Das Kommunikationsdesigner-Kollektiv...



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