Indigene Justiz sorgt für Zündstoff

Boliviens Rechtsreform verbietet de jure Lynchjustiz, de facto bleibt sie ein Problem

  • Von Benjamin Beutler
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.

Ob Aymara, Quechua, Guaraní oder Mosetén – mit Annahme der neuen Verfassung 2009 wurde für Boliviens indigene Bevölkerung ein Traum zur Realität. Nach langem politischem Kampf um die »Dekolonisierung der Justiz« ist indigene Rechtsprechung endlich verfassungsrechtlich garantiert – und sorgt für Konfliktstoff.

Die jüngste Nachricht vom Lynchmord an vier Polizisten hat die alte Diskussion um die indigene Rechtsprechung neu entfacht. Aufgebrachte Bewohner mehrerer Ayllus (Aymara-Gebiete) der Gemeinde Uncía nahe der Hochland-Bergbaustadt Potosí hatten die Ermittlungsbeamten zunächst festgesetzt und wenig später erhängt. Polizeiquellen sprachen von einem »Racheakt«, die Kollegen seien wegen der Entdeckung illegaler Kokainfabriken wenige Tage zuvor ermordet worden. Die Aymara-Indigenen hingegen gaben an, sie hätten die Uniformierten für »verkleidete Autodiebe« gehalten, in Bolivien eine gängige Masche.

Wiederholt waren in den letzten Wochen Gemeindemitglieder von einer kriminellen Bande ihrer Autos beraubt worden. Nachdem ein 22-jähriger Taxifahrer ums Leben gekommen war, sei »das Fass übergelaufen«, so ein Dorfbewohner. Die betroffenen Gemeinden Llallagua, Uncía, Siglo XX, Catavi, Chayanta sowie einige Ayllus hätten insgesamt 15 Autodiebe in Abw...


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