Tanke im Nirgendwo

Wagners »Ring« in Hannover – Teil zwei: »Die Walküre«

  • Von Roberto Becker
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.

Es ist nicht so, dass der designierte Chef der Komischen Oper Berlin, der Australier Barrie Kosky, als Regisseur kein Gespür für den Bild gewordenen, konzeptionellen Gedanken hätte. Wer seine Inszenierungen von Janacecks »Aus einem Totenhaus« oder Brittens »Peter Grimes« in Hannover gesehen hat, weiß das. Aber Wagners »Ring des Nibelungen« ist eben doch etwas völlig anderes. Da kann man sich szenisch nicht mit effektvollen Revuenummern durchmogeln oder sich nur auf das autonome Ausloten und das assoziative Potenzial einzelner Szenen beschränken.

Um mit dem »Ring« überzeugend zu Rande zu kommen, bedarf es einer großen Idee. Wo schon der Gesamtkunstwerker Wagner klüger war als der Zeitgenosse und ein Ausnahme-Werk schuf, das den aufkommenden Kapitalismus, seine Antriebskräfte, die unsichtbaren Fesseln, das Zerreißen aller natürlichen Bande, vor allem aber die Dynamik einer Welt, die auf den Abgrund zurast, in eine poetisch mythische Spra...


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