Mit Augen fürs Elend

Johann Gottfried Seume, der Spaziergänger nach Syrakus, starb vor 200 Jahren

Mit seinen Erinnerungen wollte er warten, bis er sehr alt sein würde. Er dachte, er hätte noch viel Zeit. Also lehnte er 1801 die Anregung des Dichters Christian Felix Weiße, doch seine Geschichte aufzuschreiben, rundheraus ab. Erst wolle er leben und dann schreiben. Da war Johann Gottfried Seume noch keine vierzig, aber er hatte schon mehr hinter sich als andere im hohen Alter.

Geboren 1763 als Sohn eines verarmten Bauern, hat er dank adligen Einsehens die Schule besuchen und ein Theologiestudium aufnehmen können, das er 1781 jedoch abbrach, um nach Paris, die Hochburg der Aufklärung, zu pilgern. Weit kam er allerdings nicht. In der Rhön griffen ihn hessische Werber auf, er wurde mit vielen anderen nach England verkauft, in eine Invasionstruppe gepresst und nach Amerika verfrachtet, wo die Söldner aber nicht mehr eingesetzt und im Herbst 1783 wieder nach Europa geschafft wurden. In Bremen desertierte er, wurde diesmal von preußischen ...


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