Scissor Sisters

Nachtarbeiter

  • Von Sebastian Döring, dpa
  • Lesedauer: 2 Min.

Das Nachtleben der Hauptstadt prägt die Musik der Band Scissor Sisters. Nun gastieren die US-amerikanischen Berlin-Fans in der Hauptstadt. Die New Yorker Popgruppe Scissor Sisters (»I Don't Feel Like Dancin'«) feiert auf ihrem neuen Album »Night Work« das Berliner Nachtleben. In der deutschen Hauptstadt seien die Lieder im Disco-, Funk- und Glamrock-Sound entstanden, sagt Sänger und Bandleiter Jake Shears in London.

»Ich habe mir einfach einen Hinflug gebucht. Ich begann, mich in New York wie eine alte Dame zu fühlen«, so Shears. Gestern gab die US-Band, die musikalisch auch auf den Spuren von Queen wandelt, ein Konzert in dem Entstehungsort ihres dritten Studioalbums. Shears besucht seit zehn Jahren regelmäßig Berlin. Hier hat der Liedtexter den Frühling 2009 verbracht und musikalische und kreative Einflüsse aufgesogen.

»Ich entdeckte Technomusik wieder für mich; ich habe abends und nachts und auch morgens noch viel Party gemacht, traf DJs, war in der ›Panorama Bar‹. Ich brauchte diese Art der Stimulationen.« Im Berliner Nachtleben habe er »schrecklichen Selbstzweifel überwunden«, sagt der 31-Jährige. In den Clubs der Hauptstadt habe er den britischen Housemusik-Produzenten Stuart Price getroffen, der schon für Madonna, Depeche Mode und Britney Spears am Mischpult stand. »Wir haben unser Zeug bisher immer selbst produziert. Zum ersten Mal hatten wir nun mit Stuart einen echten Produzenten.« Gemeinsam hätten sie »Freude, Freiheit und Vorstellungen« für das neue Album entwickelt.

Die Platte »Night Work« ist auf Platz 29 in den deutschen Charts eingestiegen. Auf ihr strömen zwei Flüsse zusammen: die bisherige Ortung der Band zwischen Queen, Abba und David Bowie sowie deutschen Elektrogruppen wie Kraftwerk und Neu!.

Shears sagt, er habe sich auch vom Konzeptalbum »White Room« der britischen Band The KLF inspirieren lassen. Im Song »Any Which Way« findet sich außerdem ein Werwolfausschnitt aus Michael Jacksons »Thriller« wieder. Mit Popstar Elton John, einem großen Fan der Band, hat Shears zwar weitere Lieder geschrieben. »Sie haben sich aber nicht richtig angefühlt«, sagt er. Die Arbeit von 18 Monaten habe die Band im Ergebnis nicht überzeugt. »Night Work« ist die erste wahre Platte, ein wirkliches Fest der Sexualität« – die fünfköpfige Band benannte sich nach einer Sexualpraktik. Als »Dirty Fun« (dreckigen Spaß) hat denn auch die »New York Times« das Album beschrieben.

»Musikalisch ist es noch elektronischer, weniger instrumental, eine Synthie-Platte von Grund auf, von teuflischer und sadistischer Qualität«, sagt der Bandleader. Die Fans sollen ihren Allerwertesten bewegen – auf dass er so knackig werde wie der auf dem Robert- Mapplethorpe-Foto des Covers abgebildete Hintern.

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