Erdogans Tränen rühren seine Gegner kaum

Am 30. Jahrestag des Militärputsches von 1980 wird in der Türkei über Verfassungsänderungen abgestimmt

  • Von Jan Keetman, Istanbul
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.

Die Türkei nähert sich dem 30. Jahrestag des Militärputsches von 1980. Am gleichen Tag, dem 12. September, soll über eine Verfassungsänderung abgestimmt werden. Um dieses Datum rankt sich auch der Wahlkampf.

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan möchte den Jahrestag des Militärputsches und das Referendum über die Verfassungsänderung bewusst miteinander verbinden, schließlich gehe es um eine Änderung des von Putschgeneral Kenan Evren in Auftrag gegebenen Grundgesetzes. In einer von zahlreichen Fernsehkanälen übertragenen Rede vor seiner Fraktion las Erdogan Dokumente vor, die drei von den Putschisten hingerichtete Jugendliche betreffen. Dem Ministerpräsidenten brach die Stimme, Tränen traten ihm in die Augen. Tatsächlich berichtete er von ergreifenden Geschichten: Die Eltern Mustafa Pehlivanoglus beispielsweise hatten ihren Sohn im Gefängnis besuchen wollen, erfuhren dort aber nur, dass er drei Tage zuvor hingerichtet worden war.

Der 12. September 1980 war wahrlich ein schwarzer Tag in der Geschichte der Türkei. Hunderttausende wurden inhaftiert und gequält, viele starben unter der Folter oder wurden hingerichtet. Doch die Türkei blieb NAT...


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