Verbrecher aus Ergebenheit

Schlusswort des Angeklagten überraschte

  • Detlef D. Pries
  • Lesedauer: ca. 6.5 Min.

15 Kilometer von Phnom Penh entfernt, in einem Neubau auf ehemaligem Militärgelände, saß das Kambodscha-Tribunal im vergangenen Jahr über den »Chefhenker« des Pol-Pot-Regimes (1975-79) zu Gericht. Am Montag wird der Vorsitzende Richter Nil Nonn das Urteil verkünden, das die fünfköpfige Kammer über Kaing Guek Eav alias Duch gefällt hat.

Unsicher schien er zunächst. Bevor er eine Frage beantwortete, legte er nach Landessitte die Hände zusammen und hob sie vors Gesicht. Später wurde er selbstbewusster, korrigierte die Übersetzer, bemerkte über eine Opferanwältin spöttisch, Frau Studzinsky sei offenbar nie beim Militär gewesen, und ließ ihre Frage unbeantwortet. Zeitweise folgte er der Verhandlung mit versteinerter Miene, ein anderes Mal rollten ihm Tränen übers Gesicht. Zeugen, die ihn aus den 60er oder aus den 90er Jahren kannten, waren überrascht darüber, dass der Mann, den sie als gütig und kenntnisreich beschrieben, eben jener Duch sein sollte, dem abscheuliche Verbrechen zur Last gelegt werden.

Wer ist Kaing Guek Eav? 1942 geboren, hatte sich der junge Mathematiklehrer Ende der 60er Jahre jenen angeschlossen, die gegen das »halbkoloniale, halbdiktatorische Regime« Kambodschas kämpften. Der damalige Staatschef Prinz Norodom Sihanouk nannte sie »Rote Khmer«. Er habe ...


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