Notizen aus Venedig

  • Gunnar Decker
  • Lesedauer: ca. 4.5 Min.

In Venedig fühlt man sich immer auf unerklärliche Weise schlapp. Das hat schon Rilke an Eleonore Duse beobachtet, mit der er hier gemeinsam im Sommer 1912 eine Wohnung sucht. Er will mit der alternden Diva deren Comeback vorbereiten. Sie reist mit großem Gepäck, auch der junge Reinhardt-Schauspieler Alexander Moissi ist dabei. Rilke selbst wohnt als Gast in einem Palazzo der Gräfin Thurn und Taxis, der auch das Schloss in Duino gehört. Nebenbei hat er eine Affäre mit der jungen Mimi Romanelli, deren Familie ebenfalls einige Palazzi ihr eigen nennt und die ihn unbedingt heiraten will. Aber Zeit für sie hat er kaum, ganze Tage muss er die Duse durch die Stadt begleiten. Er fühlt sich wie in Paris, als er Sekretär bei Rodin war.

Die Duse ist unendlich anspruchsvoll, darum müssen sie viele Palazzi besichtigen und viele Treppen steigen. Die erste Treppe steigt sie wie eine Fürstin empor, die zweite schon etwas asthmatisch, die dritte kriech...


Wenn Sie ein Abo haben, loggen Sie sich ein:

Mit einem Digital-, Digital-Mini- oder Kombi-Abo haben Sie, neben den anderen Abo-Vorteilen, Zugriff auf alle Artikel seit 1990.

Bitte aktivieren Sie Cookies, um sich einloggen zu können.