Die Utopien können warten

Vor 75 Jahren wurde der Dichter Karl Mickel geboren

  • Von Stefan Amzoll
  • Lesedauer: ca. 4.5 Min.

Er war zuallererst Dichter, und, was die wenigsten wissen, er war Historiker, Wirtschaftshistoriker – er hatte das Fach studiert und früh gelehrt. Scham darüber, so ausgebildet worden zu sein, als solche Qualifikationen 1989 in den Dreck gingen? Genau umgedreht. Karl Marx, das sei gleich gesagt, ist der stämmigste Pfeiler in Mickels gesamtem Denken. In dem grandiosen Dialogessay »Marx wird Marx« stellt er dem immer noch gefürchteten Gelehrten einen Sänger und einen Chor zur Seite. »Manche Sätze«, schreibt der Dichter einführend, »höre ich mehrmals, andere Wort für Wort, andere skandiert, wieder andere ahne ich gesungen: eine große Musik, die es noch nicht gibt. Das Wort Geld ist gegrunzt.«

Beispiel:

CHOR: (mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist:)

MARX: Verhältnisse, die man nicht besser schildern kann als d...


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