Das Stadtschloss aus Lego

Ein Modellbauer errichtet aus rund 350 000 Steinen Berlins umstrittenstes Bauprojekt

Das umstrittenste Bauprojekt der Stadt wird jetzt schon mal als Modell errichtet: Pascal Lenhard fügt rund 350 000 Legosteine zusammen und will in einem halben Jahr das Berliner Stadtschloss im Maßstab 1:60 fertig stellen. Im Legoland Discovery Centre am Potsdamer Platz hat er seine Werkstatt.

Der kleine Raum ganz am Ende eines Ganges ist ziemlich vollgestellt. An der Wand lehnen Regale, davor stehen viele Tüten mit Legosteinen gefüllt und an allen möglichen Stellen hängen riesige Baupläne. Auch auf dem Fußboden hat Pascal Lenhard eine Zeichnung ausgebreitet und schon damit begonnen, die ersten Steine zu setzen. Dass der schlanke Mann mit dem schütteren Haar vier Stunden gebraucht hat, um gerade mal die Hälfte der drei Meter langen und zwei Meter breiten Platte zu belegen, macht stutzig. »Es muss alles ganz genau stimmen, schließlich sind das die Grundmauern des Bauwerkes«, erklärt Pascal Lenhard.

Er rechnet, kontrolliert, geht immer wieder zu den Skizzen und legt dann behutsam einen Stein neben den anderen. Schon jetzt markiert er zwischen den beigefarbenen Teilen gelbe und rote Bereiche: dort, wo Türen ihren Platz bekommen, und solche Stellen, die es ermöglichen, das Modell später in vier Teile auseinanderzunehmen.

Denn nur so passt das 1,50 Meter hohe Legostein-Kunstwerk durch den schmalen Werkstatteingang. Im »Miniland«, dem Bereich der Spielzeugwelt, in dem Berliner Wahrzeichen präsentiert werden, soll das Schloss einmal neben der Gedächtniskirche stehen. Auch die setzte Lenhard schon zusammen. Mit »nur« etwa 40 000 Steinen bezeichnet er sie allerdings als sein Gesellenstück. »Jetzt baue ich mich zum Meister«, sagt der Modellbauer über seinen bislang größten Coup. Als er vor drei Jahren den Vertrag bei dem dänischen Spielwarenhersteller unterschrieb, musste er zwar aus dem beschaulichen Sigmaringen in Baden-Württemberg in die quirlige Hauptstadt ziehen, aber für seinen Traumjob gab er gern die Heimat auf. »Mein Hobby ist jetzt mein Beruf«, erklärt er.

Schon als Kind träumte Pascal davon, Modellbauer zu werden. Seinem Vater diktierte er sogar mit sieben Jahren eine Bewerbung für den Lego-Konzern. Doch erst etwa 30 Jahre später klappte es.

Das Schlossprojekt ist für den kreativen und wissensdurstigen Lego-Fan eine besondere Herausforderung: Weil die Voraussetzungen viel schwieriger sind als bei anderen Modellen. Denn als Vorlage dienen ihm lediglich Zeichnungen und Skizzen. Er erhielt Baupläne von York Stuhlemmer, einem Architekten aus dem Förderverein Berliner Stadtschloss. Die beiden halten mittlerweile regelmäßig Kontakt. Pascal Lenhard zeigt ihm seine Prototypen mit Fresken, Ornamenten und Säulen. Dabei hält er sich streng an den Ehrenkodex: »Nur mit echtem Lego wird gebaut, nichts abgeschnitten oder rangeklebt«, betont er.

250 verschiedene Steinsorten wird er in den kommenden Monaten in sechs unterschiedlichen Farben verarbeiten. Gleichmäßig will er die Schlossmauern hochziehen und die Baufortschritte auf Fotos festhalten. An manchen Tagen führt er auch Workshops durch und weiht die Kleinsten in die Geschicke des Modellbauens ein.

Bevor sein Meisterstück demnächst seinen festen Standort in dem Indoor-Freizeitpark am Potsdamer Platz erhält, möchte Lenhard sein Modell zur Schlosswiese bringen und dort auf den Rasen stellen. In die aktuelle Stadtschloss-Diskussion mischt er sich aber nicht ein. Fest steht nur, dass sein Bau mit der barocken Außenfassade auf jeden Fall bald fertig sein wird.

www.legolanddiscoverycentre.com

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