Wo er ist, ist das Reich

Der Barbarossa-Mythos bleibt. Eine neue große Staufer-Ausstellung in Mannheim

  • Von Ulrike Gramann
  • Lesedauer: ca. 4.5 Min.
Cappenberger Barbarossakopf, um 1160

Purpurn und golden: Im dritten Stockwerk des Mannheimer Zeughauses hat der ältere Herr den unter Glas ausgebreiteten Halbkreis endlich entdeckt. Viermal zeigt das Muster den Adler mit der Träne, der auf Schlangen tritt. Sie umklammern seine Klauen. Die elegant stilisierten Tiere und die Halbmonde im Mustergrund zeigen Geschmack, Gesinnung und Geschick arabisch-normannischer Handwerkskünstler im frühen 13. Jahrhundert, Sizilien. Eine später hinzugefügte Borte mit Kreuzigungsmotiv stört kaum.

Friedrich II. soll den Mantel bei seiner Krönung getragen haben, Barbarossas Enkel, geboren auf Sizilien, genannt »stupor mundi«, Staunen der Welt. Auch der ältere Besucher staunt. Dann deutet er verstimmt auf die Kopie, zu der die Aufsicht ihn zunächst gewiesen hatte. »Was soll das?« Tatsächlich, falls der glänzend betroddelte Mantel aus dem 19. Jahrhundert, der weniger Adler, aber viel mehr Kreuzigung zeigt, den Mythos dekonstruieren sollte, so ge...


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