Ein Rot-Roter

Carsten Preuß / Der Agraringenieur, Jahrgang 1962, will Bürgermeister von Zossen werden

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 2 Min.
Personalie: Ein Rot-Roter

Vor gar nicht mal so langer Zeit hat Carsten Preuß noch überlegt, ob er wirklich Bürgermeister der brandenburgischen Stadt Zossen werden möchte. Aber nun ist er bereit, bei der Wahl im Herbst als Kandidat eines Bündnisses anzutreten, das es in dieser Form wahrscheinlich noch nie gegeben hat. Ins Rennen geschickt wird er gemeinsam von der SPD und der Linkspartei.

Diese rot-rote Verbindung geht weiter als eine Kooperation oder eine Koalition. Die SPD und die LINKE haben in der Stadtverordnetenversammlung bereits eine gemeinsame Fraktion gebildet und dabei gleich noch eine örtliche Vereinigung unabhängiger Bürger einbezogen. Die entstandene Fraktion verfügt über die Hälfte der Sitze im Stadtparlament. Fraktionsvorsitzender ist der parteilose Carsten Preuß, der vor der Vereinigung schon die Linksfraktion geführt hatte. Gerade weil Preuß weder der SPD noch der Linkspartei angehört, ist er nun geradezu prädestiniert als Bürgermeisterkandidat beider Parteien. Nominiert wurde er am Mittwochabend auf einer Versammlung, die der SPD-Ortsverein und die LINKE-Basisorganisation zusammen abhielten. Preuß erhielt dabei 27 von 28 Stimmen.

Die jetzige Bürgermeisterin Michaela Schreiber (parteilos) war einst mit einem SPD-Ticket ins Amt gelangt, doch die Wege trennten sich. Mehrmals musste sich Schreiber Vorwürfe anhören, weil sie trotz offenkundiger Probleme mit Rechtsextremisten in der Stadt keine deutlichen Worte fand und die Situation verharmloste.

Vor zwei Jahren schob Carsten Preuß eine Petition gegen die weitere Privatisierung ehemals volkseigener Seen in Ostdeutschland an. 110 000 Unterschriften kamen zusammen. Das erregte überregional Aufsehen. 2009 gelang es Preuß außerdem, im Stadtparlament von Zossen eine Mehrheit für seinen Vorschlag zu gewinnen, im Ortsteil Wünsdorf-Waldstadt eine Straße nach der KPD-Gründerin Rosa Luxemburg zu benennen. In einem Lazarett, das sich dort befindet, war 1919 die Leiche der ermordeten Revolutionärin obduziert worden. Preuß arbeitet in der Verwaltung des Landkreises Teltow-Fläming. Er engagiert sich im brandenburgischen Landesvorstand der Umweltorganisation BUND.

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