»Immerfließend«

Gerhard Richter in Hamburg

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.
Gerhard Richter: »Zwei Fiat«, 1965. Öl auf Leinwand. Die Bildvorlage ist ein Motiv aus der Schokoladenwerbung im »Stern«.

Es ist nicht wahr, dass Kunst aufbaut. Zuerst zerstört sie. Sie reißt weg. Sich, ihre Gegenstände. Dies, als Basis von allem, muss gefühlt sein, ehe wir uns dann am schönen Bild erfreuen, dass aus den Trümmern schaut, in gebührend edlem Rahmen.

Denn: Es kann uns doch nur etwas anwehen, das selber in Bewegung gesetzt, vom Festpunkt gestoßen wurde; einzig das Strömende erfahren wir wirklich, alles Statische, Festgesetzte hat doch nur die museale Aussage-Kraft des aufgespießten Insekts.

Dichter Botho Strauß hat Gerhard Richters Werk als »immerfließende Malerei« bezeichnet. Das figürliche Abbild, das zugrunde liegende Foto, wird in diesem Werk von Farbwehen, von Unschärfeschüben, von beseelt Diffusem angegeriffen. Tatsächlich: angegriffen. Aber nicht getilgt, nicht erstickt, nicht abgetötet, nicht unsichtbar gemacht, nicht schlechthin übermalt, wie es Arnulf Rainer mit dem Stift täte. Gerhard Richters Bilder zerstören die Seelenlosigkeit d...


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